Vor wenigen Tagen habe ich mich spontan entschlossen zu fasten. Diese Woche schien mir günstig zu sein. Und ich fand den Gedanken schön, vor Weihnachten körperlich und feinstofflich gereinigt zu sein, mir Zeit für mich zu nehmen, zu saunieren, zu meditieren. Hach ja… So dachte ich mir das.
Letztes Jahr hatte ich zum ersten Mal gefastet. Also eine Woche nix als Wasser, meistens mit Zitrone und Ingwer und abends als besonderes Schmankerl ein halbes Glas Saft. Zum Ende hin stellte sich auch das frische, gereinigte Wohl- und Hochgefühl ein, das von Vielen beschrieben wird. Tag zwei und drei waren allerdings weniger wohlfühlend. Am dritten Tag war ich allein mit meinen Kindern und ging, um ihnen eine Freude zu machen, zu einem dick beworbenen Kamelrennen nebst Basar, Hüpfburg, Ponyreiten und allem Schnick und Schnack, was Kinder anzieht und ordentlich was kostet.
Die ganze Veranstaltung erwies sich dummerweise als Riesenabzocke. Am Einlass standen wir eine Stunde wie die Sardinen und sämtliche Trinkflaschen wurden abgenommen. Viel später fand einmal in der Stunde ein 10-Sekundenrennen statt, wo die Kamelzüchterfamilie gegeneinander antrat, was wirklich niemanden interessierte. Das Rahmenprogramm bestand aus Frauen in den Fünfzigern, die seit schätzungsweise einer Woche Bauchtanz übten. Es waren knackige 32° im Schatten, nur dass nirgendwo Schatten war. Die Kinder waren auf Krawall gebürstet und mittendrin ich mit extrem dünner Haut an meinem dritten Fastentag. So etwas sollte man tunlichst vermeiden, wenn man sich entschließt heilzufasten.
Jetzt, in dieser zweiten Heilfastenwoche meines Lebens, sollte alles anders werden. Ich würde den ganzen Tag Zeit für mich haben und mich verwöhnen. Hmhm, hab ich gedacht. Aber irgendwie will ich es anscheinend nicht angenehm. Mein älterer Sohn weinte bitterlich in der Nacht wegen einer Ohrenentzündung und der zweitgeborene ist mit Verdacht auf Windpocken vom Kindergarten nach Hause geschickt worden. Was soll mir das sagen? Gebe ich mir zu verstehen, dass ich das Ganze sein lassen soll? Oder soll ich entgegen aller Widrigkeiten das Fasten durchziehen? Wartet vielleicht am Ende der Woche eine Belohnung, die umso außerordentlicher sein wird? Ich denke, ich ziehe es durch und berichte Dir, was da wirklich auf mich gewartet hat!




