“Es sich gutgehen lassen” wird paradoxerweise häufig negativ bewertet. Sofort kann Neid aufkommen bei denen, die es sich nicht gutgehen lassen. Aber vergnügen sich Gutgehenlasser auf Kosten Anderer oder tragen sie nicht vielleicht zu einer sehr viel erfreulicheren Umgebung bei?
Ich bin bekanntlich ein großer Freund davon, es mir gut gehen zu lassen, ohne (na ja, zumindest meistens) die Notwendigkeiten zu vergessen. Im Urlaub hat sich mir gezeigt, dass wir sehr unterschiedliche Wege einschlagen können, dass es uns gut geht. Von der Planung des ersten, wunderbaren und noch dazu kostenlosen Weges hatte ich bereits kurz berichtet: Sex! Spaß daran zu haben, neue Horizonte zu entdecken, neue Wege einzuschlagen, all das ist wahrhaftig erhebend. Ich bin ja mit meiner Frau zu meinem Geburtstag in ein schönes Hotelzimmer gegangen, um alles zu tun, was wir schon immer mal tun wollten, aber nie geäußert haben. Und das mit größter LIEBE und HINGABE. Sich vorher auszumalen und vorzustellen, wie es sein wird, es vorzubereiten, dann Zeit und Muße zu haben und diese Zeit nur sich zu widmen, war wirklich herrlich. Und man zehrt noch lange danach von dieser Erfahrung. Kühne Fantasien mit der eigenen Frau auszuleben, ist wirklich zu empfehlen. Das Geschenk der Sexualität ist reinstes Wellness.
Die Es-Sich-Gut-Gehen-Lassen-Empfehlung Nummer Zwei ist Wellness in seiner ursprünglichen Bedeutung. Ich bin ein großer Freund des Saunierens geworden, was ich früher aus Gründen von Scham nie getan habe. Das befreiende Schwitzen, das man geistig unterstützen kann, indem man sich vergegenwärtigt, dass der Körper Giftiges und Unnützes ausscheidet, finde ich herrlich. Das sich kalt (na ja in meinem Falle leicht lau bis kühl, Weichei bin ich immer noch) abduschen, dieses buchstäbliche Wechselbad der Gefühle mit anschließendem Einmummeln und entspannen, kann ich nur wärmstens empfehlen. Massiert zu werden ist natürlich auch herrlich, aber dummerweise auch scheißteuer. Alternativtipp: Sich Zeit und Muße nehmen und im Falle einer Partnerschaft oder dicken Freundschaft einfach privat massieren.
Die dritte Variante des Es-Sich-Gut-Gehen-Lassens ist mir am Ende meines Urlaubs begegnet. Ein guter Freund hat eine Party geschmissen. Tanzen, als wenn keiner zuguckt, alles rauszulassen und herrliche Gespräche mit langjährigen Freunden zu führen, die immer und immer besser werden, ist etwas, was wirklich nachhaltig zu meinem Wohlbefinden beiträgt. Sich zu sagen, wie toll man sich findet, sich mitzuteilen wie großartig die Freundschaft ist und was man besonders aneinander schätzt, bringt FREUDE, wahre Sicherheit und nachhaltiges GLÜCK. Wahre Freundschaft empfinde ich als echten Segen. Und sie fördert auch Überraschendes zu Tage. Ein sehr guter Freund von mir, der ein echter Macher ist, der eine ganze Abteilung bei einem börsennotierten Unternehmen leitet und bestimmt bereits die erste Million auf dem Konto hat, dem seine Arbeit, mit der er auch ethisch sehr gut leben kann, große Freude macht, der eine tolle Frau, ein Haus und äußerst gelungene Kinder hat, der früher immer doch etwas spöttisch auf die brotlosen Geisteswissenschaftler geschaut hat, der in der Vergangenheit häufig fassungslos über das war, was ich so abgelassen habe und das aus gutem Grund, dieser Freund hat mir doch tatsächlich gesagt, dass er bewundert, mit welchen gelebten Idealen und Grundsätzen ich meinen Weg gehe! Dass das gegenüber seiner Art zu leben noch ne Schippe drauf ist! Und das, obwohl er weder mit Spiritualität, noch mit Verschwörung was am Hut hat! Wowowooow! Das zeigt mir, dass ich mittlerweile offensichtlich weniger falsch mache als früher. So ein unerwarteter Zuspruch macht mich sehr glücklich.
Ich erlebe, wie alles immer besser wird, wenn ich daran arbeite, dass alles immer besser wird. Und es gibt immer noch weitere Potzeniale für Entwicklung. Wir müssen nur dran glauben und etwas dafür tun. Dann bereichern wir ALLES. Und das ohne dass Andere die Kosten tragen müssen.




