Am Wochenende war ich nicht ein-, sondern sogar gleich zweimal in der Kirche. Samstag Hochzeit, Sonntag Taufe. Das muss doch was zu bedeuten haben, dass sich mir das Thema Kirche derart aufdrängt. Aber was? Ob ich wieder in die Kirche eintreten soll? Nein, nein, nur Spaß! Die Besuche haben mir gezeigt, dass ich mich mit dem Thema auseinandersetzen soll und wie Du merkst, mache ich das.
Vor mittlerweile recht langer Zeit schrieb ich bereits, dass ich bis zu meinem zwölften Lebensjahr jeden Sonntag in die Kirche ging. Ich kannte jedes gängige Gebet auswendig, glaubte das Allermeiste, war für ein Kind aus Norddeutschland außerordentlich bibelfest. Dann, in der späten Pubertät, war ich schließlich der Meinung, dass das alles Unsinn sein muss. Ich erklärte mir die Geschichten um Jesus und das alte Testament auf eine sehr weltliche Weise. Sah das ganze als eine ganz nette Sagenwelt an. So sehen es vermutlich viele, auch viele meiner Freunde, die aber trotzdem in der Kirche Gottes Segen erbitten und ihr Kind taufen lassen.
Die Atmosphäre sei nun mal schön und der christliche Glauben sei schließlich Teil unserer Kultur. Eine Art netter Folklore, die keinem wehtue. Und da kommt meine Ansicht ins Spiel, denn ich bin der Überzeugung, dass sie wehtut. Alternative Zeremonien voller Freude biete ich übrigens hier an.
Um den Menschen nicht Unrecht zu tun, die gläubig sind, fange ich erst mal mit positiven Effekten der Kirche an. Die Pastoren, die predigten, waren angenehme Menschen, ein fröhlicher Gospelchor trat auf, gemeinsames Singen stärkt die Gemeinschaft, in der Gemeinde fühlen sich sicher Viele, unter ihnen meine Eltern, gut aufgehoben und geborgen, erleben gemeinsame Feste, helfen anderen Menschen, glauben das Richtige zu tun. Sie glauben, dass es für ein Kind gut und wichtig ist, getauft zu werden. Sie glauben, dass es richtig ist, sich vor Gott trauen zu lassen und um seinen Segen zu bitten.
Meine Mutter macht sogar manchmal heimlich das Kreuzzeichen bei meinen Kindern vor dem Schlafen Gehen auf die Stirn, weil sie der Überzeugung ist, ihnen damit etwas Gutes zu tun.
Aber ganz gleich, ob man aus Überzeugung oder lediglich aus traditionellen Gründen die Kirche als Ort für Rituale aufsucht, ich denke, dass es alles andere als gut tut. Denn die Rituale und Symbole sind nicht nichts. Sie haben einen bestimmten Sinn. Und der liegt nach meiner Ansicht nach nicht darin, Kinder und Ehepaare dem wahren GOTT nahe zu bringen. Ich denke, dass die Rituale Abhängigkeiten schaffen und uns davon abhalten, unser volles Potential entfalten zu können. Bereits aus mehreren Quellen, unter ihnen auch die von mir sehr geschätzte MARYAM, hörte ich, dass das sogenannte Kreuzzeichen, das der Pastor über der Stirn, dem Hals und der Brust ausführt dazu diene, Chakren zu verschließen. Jedes Sakrament habe den ursprünglichen Sinn, ein Chakra zu schließen. Und wenn ich die Symbolik auf mich wirken lasse, komme ich zu gleichem Ergebnis. Wäre das nicht perfide? Gute Menschen glauben, etwas Gutes zu tun und üben in Wirklichkeit eine geradezu teuflische Handlung aus. Ich bin während dieser Situationen in die LIEBE gegangen und schickte diese im Moment des Kreuzzeichens an die zu taufenden Kinder und das zu trauende Paar. Vielleicht war das ja der Grund, warum ich mich in den Kirchen befand.
Schräg fand ich am „Gottesdienst“, dass einfach Alle gedankenlos Gebete wie das Glaubensbekenntnis mitmurmeln und das inklusive Sätzen wie „ich glaube an … die heilige Jungfrau Maria … die heilige christliche Kirche“. Ich meine, wenn sie es denn glauben würden, o.k., aber sie glauben es noch nicht mal und sprechen es trotzdem mit. Sollen wir nicht auch die Wahrheit sagen?
In den Liedern fand ich es sehr befremdlich, dass andauernd dem „Herrn“ gelobt wurde. Also bitte, ob sich ein liebender GOTT wohl mit „Herr“ ansprechen lassen würde? Sklaven haben Herren!
Ebenfalls merkwürdig finde ich die Formulierung, dass wir unseren Nächsten lieben sollen. Was zum Geier soll denn der Nächste sein? Nirgendwo sonst wird dieses Wort verwendet. Warum heißt es nicht beispielsweise Mitmenschen? Der Nächste ist doch eher der Nachbar in der Kirchenbank oder einer, der eine ähnliche Gesinnung wie ich habe.
Ein weiterer verheerender Grundsatz der Kirche ist, dass Gott außerhalb von uns wirkt. Naja, einmal hat er seinen Sohn geschickt, aber sonst sind wir auf seine Gnade angewiesen, und dann werden wir, so habe ich es auch gehört, gerichtet. Ekelhaft. Als wenn das allmächtige Wesen, das ALLES ist, das reines LICHT und reine LIEBE ist, so ein richtender Erbsenzähler wäre.
Und dass das Hauptsymbol der sogenannten christlichen Kirche auch noch ein Folterinstrument ist, sagt doch schon einiges.
Ich denke, dass wir es beim Gott des alten Testaments mit einem realen Wesen zu tun haben, das irgendwann mal auf der Erde wandelte. Ein Wesen, das vom „auserwählten Volk“ angebetet wurde, das richtete, kontrollierte, zerstörte und grausam war. Jesus im neuen Testament predigte dagegen das, woran ich glaube. Er predigte und lebte BEDINGUNGSLOSE LIEBE, TOLERANZ und MITGEFÜHL. Er hatte nichts mit diesem Gott des alten Testaments zu tun, den die Kirchen wissentlich und unwissentlich anbeten. Und das Paradoxe: Jesus lehnte Kirchen ab. Er lehnte es ab, dass irgendwelche Schriftgelehrten und nur sie uns sagen wollen und können, wo es langgeht. Leider wurden selbst Jesus reine Botschaften von diversen Konzilen vergewaltigt, damit die Macht der Kirche nicht den Bach runterging.
Aber, jetzt bin ich etwas abgeschweift. Ich möchte niemandem, der die Kirche schätzt, zu nahe treten, aber ich bin der Überzeugung, dass ihre grundlegende Motivation keine Gute ist. Und auch, wenn es vielleicht besser ist, zumindest in der Kirche mal zur Besinnung zu kommen, gewisse Ideale zu leben und in einer sich gegenseitig helfenden Gemeinschaft zu sein, als unbewusst und ohne innere Ziele durch die Welt zu stolpern, so ist es auch über eine gewisse Zeit gesünder, dreckiges Wasser zu trinken, anstatt gar nichts zu trinken. Man verdurstet nicht sofort, aber später wird man krank und stirbt schließlich an den Folgen.




