Vor etwa drei Jahren hatte ich ein seltsames Erlebnis. Ich führte gerade eine äußerst gelungene Meditation durch, als ich eine Eingebung bekam. Ich meditierte immer, indem ich an nichts dachte und einfach aufmerksam war. Ich gehöre keiner Schule an, die unter Anleitung auf eine ganz bestimmte Weise meditiert.
Ich dachte einfach nix und dann kam es mir:
TANZE AUF DER STRASSE!
Hä? Das war sogar für mich eigenwillig, fühlte sich aber aufregend und gut an. Aber, wie sollte das ablaufen? Zu welcher Musik? Wo? Und warum?
Diesen Fragen ging ich in der folgenden Zeit immer wieder nach. Ich konnte schlecht Gangster-Bitch-Pussy-Rap in den Rekorder schmeißen, um dann meine Mitmenschen mit meinen Moves zu erfreuen. Verfehlt irgendwie die Aufgabe.
Ach, so, ich hatte Dir ja noch gar nicht erzählt, dass mir Tanzen schon lange viel bedeutet. Nicht, dass ich je in einem Verein oder einer Tanzschule war oder es auch nur besonders oft gemacht hätte. Ich habe mich aber schon immer dafür interessiert, sämtliche Tanzfilme der Achtziger geguckt und wollte gern den frühen Hip-Hop-Fußzurückrutsch-Tanz, Michaels Moon-Walk und das Vogueing können. Du weißt schon, wie bei Madonna. Der Fluss der Bewegungen faszinierte mich. Und irgendwann, konnte ich es so einigermaßen. Für die Dorfdisko reichte es. Später, während meiner exzessiven Techno-Phase und darüber hinaus perfektionierte ich den Tanz, während ich tanzte. Spürte Schwerelosigkeit. Wenn es lief, spürte ich mich anders. Nicht ich tanzte, sondern etwas tanzte mich. Ich musste dem nur nachgeben. Ein sagenhaftes Gefühl, dem ich gerne nachgab. Früher hatte ich immer Hemmungen, zu sehr in Erscheinung zu treten. Scham war eine meiner hervorstechendsten Eigenschaften. Aber seitdem der Tanz von mir Besitz ergriffen hatte, war mir das irgendwann scheißegal. Ich tanzte selbst alleine auf der Tanzfläche volles Rohr; ohne eigene Beschränkungen. Aber, auf der Straße?
Als ich meiner Mutter den Plan eröffnete, sagte sie irritiert: „Oh, nicht, dass die Dich wegholen.“ Rike, meine Frau, gab mir zwar widerwillig ihren Segen, möchte aber auf keinen Fall zugucken, um nicht vor Fremdschämen zu vergehen. Selbst sehr aufgeschlossene Menschen reagieren etwas mit Befremden auf meinen Plan. Aber, das Gefühl, dass ich das machen soll, blieb. Wurde stärker. Schrie danach, umgesetzt zu werden. Bald.
Vor anderthalb Jahren besuchte ich ein spirituelles Seminar bei MARIA. „Auflösung von Blockierungen“. Eine Übung bestand darin, unser Selbstwertgefühl zu LIEBEN. Ha, dachte ich. Eine völlig überflüssige Übung für mich. Mein Selbstwertgefühl ist schließlich tippi toppi. Aber, Pustekuchen. Tränen übermannten mich. Hemmungen flossen in ein Meer der LIEBE ab. Meine völlige Unfähigkeit Lob anzunehmen, kroch aus meinem energetischen Körper hinein ins LICHT. Es war überwältigend. Schluchzend berichtete ich, dass ich nach meinen diversen Hochzeitsreden, für die ich mit Lob überschüttet wurde, nur noch beschämt das Weite suchte und keinerlei gute Worte hören wollte. Es war wie eine Folter für mich, dass Freunde sagten, ich müsse ins Fernsehen, es sei absolut brillant gewesen, der Höhepunkt der Hochzeit. Jetzt kann ich das sagen, weil die Hemmungen nie wieder kamen. Du kannst mich gerne loben. Es tut mir nicht mehr weh.
Etwas später während des Seminars sagte ich, im Zuge des neu erlangten Selbstwertgefühls, dass ich seltsamerweise den Impuls verspüren würde, auf der Straße tanzen zu wollen, aber noch nicht wüsste warum.
MARIA fragte mich daraufhin LIEBEVOLL nachdrücklich, ob ich vielleicht JETZT tanzen wolle. Ich zögerte kurz, ging dann aber beherzt in die Mitte des Stuhlkreises, schloss die Augen und tanzte los. Zu innerer Musik. Langsam beginnend, schneller werdend. Wieder nahmen die schwerelosen Bewegungen von mir Besitz. Ein Flow-Gefühl erfasste mich. Auf wundervolle Weise. Anschließend gab es großen Applaus. Okay, okay, ne spirituelle Gruppe ist sicher nicht das grausamste Publikum, aber, auch ohne Applaus wäre es großartig gewesen.
Jetzt weiß ich, welche Musik spielen wird. Keine. Ich würde sonst der Musik zu viel Aufmerksamkeit geben und vom Tanz ablenken. Bleibt die Frage nach dem Wo und Warum. Als Ort habe ich mir den Flohmarkt am Mauerpark in Berlin ausgeguckt. Da sind lauter schräge Typen, die irgendwas vorführen, außerdem ein angenehmes Publikum aus aller Welt und Platz für ungewöhnliche Ideen. Bleibt die Frage nach dem Warum. Tja, ich möchte einfach FREUDE verbreiten. Möchte die Schönheit des Tanzes in LICHT und LIEBE verbreiten. Tanz ist so wie Klang etwas HEILIGES. Etwas GÖTTLICHES.
Und in welchem Rahmen? Mit einem Hut vor mir? Oder einfach so, selbstvergessen? Da hatte ich den rettenden Einfall. Ich trage ein T-Shirt mit der Adresse des Blogs und dem Logo von DA. Hurra, ich hab´s. JETZT kann es losgehen. Blog ist online, T-Shirt ist gedruckt, Mut ist einigermaßen DA, fehlt nur noch der Termin. Ich würde mal sagen, am 14.September geht es los. Oh Mann, das gerade festzulegen ist aber ne andere Nummer, als jahrelang den Plan vor sich herzuschleppen. Aber, ich hab´s nicht anders gewollt. Am Sonntag, den 14. September werde ich DA sein und tanzen. Huijuijui!




