“Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks mehr”, “Schuster bleib bei Deinen Leisten”, “Ein Mensch ändert sich nicht”. Der Glaube an solche scheinbaren Weisheiten bringen uns dazu, uns nicht weiterzuentwickeln. Sie beschränken uns. Denn wir können sein, wie immer wir wollen und tun, was immer wir wollen. Zumindest in vielen kleinen Schritten.

So einen kleinen, für mich aber großen Schritt machte ich gestern. Ich war schon immer sehr wasserscheu. Meine größte Angst als Jugendlicher war der Schwimmunterricht in der Schule, wo ich mich regelmäßig zum Vollhorst machte, weil ich mich alle paar Meter völlig entkräftet am Rand festhalten musste, weil ich keinen Köpper vom Startblock zu Stande brachte und mich darüber hinaus meines Körpers schämte. Mit Wasser stand ich eh und je auf Kriegsfuß. Bis gestern mied ich es nach Kräften. Außer, wenn die Sonne brannte, das Wasser lauwarm war oder ich von meinen Kindern genötigt wurde, ging ich hinein. Allerdings nicht ohne mich wie ein Mädchen ewig lang zu zieren und mit der Wasserkante bis kurz den Bauch, mit Gänsehaut im Wasser stehend, mit den Armen rudernd und zaudernd mich nicht überwinden zu können, einfach reinzuspringen. Das Kuriose an der ganzen Situation war, dass ich es, wenn ich mich überwunden hatte, immer toll fand. Ich musste ja nicht wie im Schwimmunterricht eine bestimmte Strecke so schnell ich kann, in aberwitzigen Stilen schwimmen, sondern konnte ja einfach so rumplanschen und das fand ich immer toll. Nur diesen Moment des Überwindens habe ich gescheut wie der Deibel das Weihwasser.

Und da hab ich gestern, mit pochendem Herzen einfach mal gedacht: So. Heute mach ich mal etwas völlig Anderes! Es war weder bruttig heiß, noch wurde ich von meinen Kindern genötigt, noch war das Wasser des Sees, wo ich mich befand, auch nur annährend lauwarm. Der Moment war gekommen! Ich entledigte mich meines T-Shirts, faltete die Hände, schloss kurz die Augen zu einem kurzen Gebet, pustete einmal durch und rannte los. Rannte ins Wasser, rannte ohne einen Moment zu verharren und sprang kopfüber in die Fluten. YEEEEEAAAAAHHHHHH. Es war großartig. Ein Knoten war geplatzt. Nie zuvor im meinem Leben hatte ich so etwas gemacht. So banal es für andere auch sein mag. Und nachdem ich nach meiner Heldentat rauskommen wollte, rief meine zumindest ein wenig begeisterte Frau: “Komm, jetzt schwimm auch noch!” Und ich schwamm! Bis zur Mitte des Sees! Und wieder zurück! Zugegebenermaßen merke ich dat Janze immer noch in den Schultern, aber das war es verdammt noch mal wert. Wir können diese kleinen Schritte gehen, die kleinen Knoten platzen lassen, es ist wirklich toll, die hausgemachten Beschränkungen einfach zu sprengen. So kommen wir weiter. So spielen wir das spannende Spiel des Lebens!