Unser Leben besteht aus genau einem Moment. Und der ist JETZT. Ein sich ständig veränderndes JETZT. Schon irre, wenn man sich das klar macht. Vergangenheit und Zukunft sind lediglich Gedankenformen.

So sagen und leben es Lehrer wie Eckhardt Tolle und so lautete auch die Botschaft des Spielfilms “Peaceful Warrior”, den ich kürzlich auf DVD gesehen habe. Dieser beruht auf dem wahren Fall eines Turners, der nach einem schweren Unfall durch Erkenntnis zum friedvollen Krieger erwacht. Seine wichtigste Lektion lautet, den ganzen Müll aus seinem Verstand zu entfernen, um bewusst den Moment leben und seine ganze Schönheit wahrnehmen zu können. Und tatsächlich, wer kann sich schon wirklich dem Moment hingeben? Das gelingt vielleicht ganz gut beim Spielen von Musik, beim Sport, in der Natur, im Umgang mit Kindern oder Tieren oder beim Sex, aber bei banalen Alltagsbeschäftigungen? Und ist der Verstand wirklich so nutzlos, wie in spirituellen Lehren gerne gesagt wird?

Ich schätze den Verstand. Ich schätze ihn dann, wenn er sinnvoll ist, nämlich um Erlebnisse zu reflektieren und aus ihnen lernen zu können. Mein Erlebnis, das mich kurzzeitig sehr traurig gemacht hat, war folgendes:

Meine Frau wurde 40. Dieser Umstand hat mich aber nicht im Geringsten traurig gemacht. Sondern ich wollte ihr eine besondere Überraschung schenken, nämlich eine Fotopräsentation über ihr Leben, was sie bei Anderen immer ganz großartig fand. Allerdings ist es ein Klassiker, dass immer dann, wenn ein Beamer im Spiel ist, die Technik versagt. So auch im meinem Fall. Wochenlang hatte ich Fotos durchforstet, sortiert und gescannt. Heimlich, was mir nie allzu gut gefällt. Schließlich habe ich eine Powerpoint-Präsentation hinbekommen, nur die Musik, die unterliegen sollte, wollte nicht so, wie ich wollte. Ein Freund übernahm diesen Job. Allet jut, dachte ich, baute frohen Mutes während der großen Party alles auf, klickte die Datei an, lauschte erwartungsvoll der Musik und … hörte keine. Die Gäste steckten voller Erwartungen, wollten Herrn Freude erleben und … warteten. Und warteten. Und warteten. Und … weißt schon.

Immer wieder hatte ich die Hoffnung, dass es doch noch funktionieren würde, stellte mich mit immer mehr Angespanntheit dem Wunsch der Gäste entgegen, dass ich doch einfach ohne Musik loslegen sollte. Grässlich! Und schließlich musste ich irgendwann einsehen, dass es nicht so ging, wie ich wollte und verhaute wegen der enttäuschten Erwartungen auch noch völlig die Moderation. Ein Albtraum für jemanden, der den Anspruch an sich stellt, Anderen und sich selbst FREUDE zu schenken.

In der Nacht hatte ich einen Traum. Ich fuhr als Herr Freude zu einer Hochzeit und stellte fest, dass ich rein gar nichts über sie wusste. Keinen Namen, keine Kennenlerngeschichte, überhaupt nichts. Kein Wort hatte ich aufgeschrieben. Alle Gäste waren bereits für die Zeremonie versammelt und ich hastete durch die Reihen, um noch ein paar Details über das Brautpaar zu erfahren und spontan eine Rede zusammenschustern zu können. Selten war ich so froh, in diesem Moment den Wecker zu hören.

Jedoch fiel mir auch sofort mein persönliches Desaster ein und heulte ins Kissen. Echt! Es gibt natürlich erheblich schlimmere Schicksale als eine verhauene Präsentation, aber wenn wir uns gedanklich mit etwas rumschlagen, ist es niemals banal, sondern immer wichtig. Also habe ich beschlossen, mich erstmal auf facebook bei allen Gästen zu entschuldigen und dann noch mal hier meinen Fauxpas niederzuschreiben.

Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen, was das mit dem JETZT und dem Film “Peaceful Warrior” zu tun haben soll? Es hat insofern etwas damit zu tun, weil mich die blöde Vergangenheit vom JETZT abgehalten hat. Ich dachte unablässig daran und haderte mit mir. Es hätte ein loses Ende werden können, das ständig im meinem Leben rumbaumelt: Die Schande des Herrn Freude. Aber ich schließe dieses Kapitel einfach ab, indem ich Dir davon schreibe. Vielleicht gelingt mir so ein wenig Inspiration, ich lerne durch die Reflektion daraus für kommende Momente und es eröffnen sich neue Chancen. Mein JETZT wird nicht mehr durch die blöden Gedanken beeinträchtigt werden. Das Kapitel ist abgeschlossen. So sollten wir es tun. Wenn wir dauernd an eine Tat denken, die uns nicht gefallen hat, ein unerledigtes Problem oder irgendetwas anderes, das uns gedanklich gefangen nimmt, sollten wir uns dessen gewahr werden und einfach etwas unternehmen, um es zum Abschluss zu bringen. So können wir uns auch wieder mit FREUDE dem JETZT zuwenden!