Es ist immer wieder ein großartig zu erleben, wie Eins ins Andere greift. Wenn wir offen sind, kommen Menschen und Ereignisse auf uns zu, die uns inspirieren und auf ungeplante Weise weiterbringen.

So ein Fall trat ein, als meine Schwiegermutter erst meine Frau und dann mich fragte, ob wir sie zu einem Konzert in die Philharmonie begleiten wollen. Meine Frau hatte schon die Prüfung einer Freundin zu feiern und so sagte ich halbherzig zu. Am letzten Mittwoch, als ich mich schon auf Champions League vor dem Ferseher eingerichtet hatte, klingelte das Telefon. Meine Schwiegermutter war dran. Ob ich denn jetzt mitkommen wolle, das Konzert wäre ja an diesem Abend, sagte sie. Huppsa, hatte ich ganz vergessen! ,Oh, o.k. richtig´, stammelte ich, ,ich müsste mal die Babysitterin anrufen, ob sie Zeit hätte.´ Hm, Konzert, dachte ich, na ja, ich hatte mich schon so schön auf Fernglotzen mit Chips und Bier eingerichtet, aber was soll´s, frage ich mal die Babysitterin an, mal schauen, was draus wird. Und sie konnte. Also fuhr ich mit meiner Schwiegermutter schick gemacht in die Philharmonie. Dank Baustellen in der Innenstadt wurde die Zeit knapp. Der Fußmarsch vom Parkplatz war lang. Schnellen Schrittes gingen wir. Der Blick auf die Uhr wurde zunehmend nervöser. Als wir ankamen, schien es schon zu spät zu sein. Aber schließlich kamen wir doch exakt in dem Moment bei unseren Plätzen an, als der Dirigent unter Applaus eintrat und einen Wimpernschlag später die Musik erklang.

Und diese Musik trieb mir Tränen des Glücks und der Rührung in die Augen. Ich hatte vorher keine Ahnung, was überhaupt gespielt werden und was mich erwarten würde. Aber keine Erwartung zu haben ist meistens die beste Voraussetzung für außergewöhnliche Erlebnisse. Und so erlebte ich ein etwa 100 Mensch starkes Orchester, vier Solosänger und einen riesigen Chor, den ich auch noch von einem ganz tollen Platz aus erleben durfte. Die Akustik war bestechend. Die Musik versetzte mich in einen Rauschzustand. Sie reinigte, inspirierte, brachte mich in Verzückung. Klang ist einfach magisch. Dabei hatte ich früher immer gesagt, dass ich nie klassische Musik mögen würde, aber hier geht es nicht um irgendwelche geschmacklichen Vorlieben, sondern darum, was Klang mit einem anstellt, wenn man sich ihm öffnet. Es war WAHRHAFTIG erhebend. Erst am Ende sah ich, dass ein Requiem von Verdi gespielt wurde. Vermutlich war ich währenddessen der Einzige, der keinen blassen Schimmer hatte, was da musiziert wurde. Aber es hat mich tief berührt. Musik hat die Fähigkeit zu heilen und zu vereinen. Im Moment, wo Musik gespielt wird, erlebt sie jeder. Egal welcher Nationalität, Religion oder Herkunft. Musik hat eine große verbindende Kraft.

Eine etwas andere Berührung mit Musik erfuhr ich, als Freunde am Wochenende in letzter Sekunde absagten. Diesmal hatten wir die Babysitterin bereits und brachten es nicht übers Herz ihr so kurz vorher abzusagen. Also gingen meine Frau und ich kurzentschlossen in die Bar von einem Bekannten, die einen Karaoke-Keller beherbergt. Und selbst, wenn es banal scheint, Karaoke zu singen, so war auch dieses Erlebnis ganz hervorragend. Befreit zu singen, ist einfach fantastisch. Andere zu erleben, die das auch noch können, ebenso. Es war ein ausgelassener, sehr freudiger Abend.

Und gestern, als ich mich wiederum auf einen Abend zu Hause mit meiner Frau eingestellt hatte, sah ich in meinem Email-Postfach, dass ich zwei Karten für die Welturaufführung für ,Die Gabe´ gewonnen habe. Also bin ich wieder kurzentschlossen mit meinem Nachbarn hin, mit dem ich schon (R)evolution 2012 gesehen habe und erlebte zu Beginn ein sogenanntes Toning. Das gesamte Publikum atmete auf Geheiß des Filmemachers Demian Lichtenstein vier Mal tief ein, machten dann viermal Om, dann zweimal A, zweimal I, zweimal DA (juhuuuuuuu!!!), viermal Om und am Ende atmeten wir wieder vier mal ein und aus. Und heydewitzka, das hat geflasht! Jeder tönte mit seinem ihm ganz eigenen Ton, es war berauschend. Der ganze Raum klang, er bestand aus Klang. Ich war völlig weggepustet. All das geschah in der letzten Woche. Nichts davon war geplant. So ist das Leben.

Der Film DIE GABE, der dem Toning folgte, hat mich nochmals zu Tränen gerührt und weiter in meiner Überzeugung gestärkt, dass wir in wahrhaft großartigen Zeiten leben. Aber dazu in Kürze mehr…