Wer Kinder hat, wird folgende Beobachtung teilen: Sie entwickeln sich nicht geradlinig, sondern in Form von Sprüngen. Ich finde diese Sprünge außerordentlich faszinierend. Meistens kündigen sie sich schon an, wenn die Kinder eine Zeit lang völlig unleidlich und nervig sind. Sie scheinen sich in dieser Zeit auf den Sprung vorzubereiten, beziehungsweise fühlen sie sich im alten Gewand nicht mehr wohl und sehnen innerlich bereits dem Entwicklungssprung entgegen. Was genau diesen Sprung auszeichnet, ist nicht so ganz genau zu beschreiben. Meine Jungs waren einfach Anfang dieses Monats ganz plötzlich anders. Erfassten Sachverhalte anders, redeten anders, waren reflektierter, wagemutiger und selbstbewusster. Lernten Dinge, erlebten persönliche Durchbrüche. Mein jüngerer Sohn, der bedauerlicherweise nach eigener Einschätzung „nichts kann“, lernte Rollerblades und Fahrradfahren von Neuem, fing mit Klavierunterricht an, was er eine Woche vorher niemals gemacht hätte, probiert sich aus und traut sich was zu.
Warum erzähle ich Dir das? Weil Kleines auf das Große zu übertragen ist. Die Welt wartet auf einen Sprung. Kurz vor dem Sprung zeigt sie sich in einem Desaster. Aber das macht nichts. Wir sollten uns nicht davor fürchten, wie sie sich im Moment zeigt. Besser gesagt, in welchem Zustand sich die Menschheit zeigt: Wirtschaftskrise, Vertrauenskrise und wieder einmal liegen Kriegspläne auf dem Tisch. Diesmal gegen den Iran. Wieder einmal wird die atomare Bedrohung als Trumpf gezogen. Wieder einmal werden es viele Menschen glauben. Aber egal wie grässlich ich manipulative Handlungen, Krieg oder Gier auch finden mag: Ich bin davon überzeugt, dass es richtig ist, wie es ist. Es ist ein Entwicklungsprozess, der enden und schließlich zu etwas NEUEM wird. Manchmal muss alles den Bach runtergehen, bevor die Menschen aufwachen.
Wenn es, wie dieser Tage, herbstlich und kälter wird und die Blätter vom Baum fallen, werden wir nicht krank vor Angst, weil wir denken, dass die Erde stirbt. Denn unsere Erfahrung lehrt uns, dass nach einer Zeit der Kälte auch wieder die Wärme kommt. Und mit ihr, wie durch ein Wunder, meist von einem Tag auf den Anderen, die Natur in voller Blüte steht. Wir denken nicht, dass es falsch ist, wenn Winter ist. Es ist einfach so. Viele mögen ihn nicht, erkennen aber, dass so der Rest der Jahreszeit mehr gewürdigt wird. Zeit geschieht in Zyklen, Entwicklung in Sprüngen. Wie im Kleinen so im Großen. Ich werde den nötigen Entwicklungsschritten zum NEUEN und höchst Erfreulichen nicht mit Wut oder Angst begegnen. Es ist gut, wie es ist. So schrecklich es im Einzelnen auch sein mag. Eine Geburt ist in den allermeisten Fällen auch nicht gerade ein Vergnügen. Aber das Ergebnis entschädigt doch für Alles.




