Die Finanzkrise traf ja alle völlig unvorbereitet. Das erzählen uns zumindest Banker, Journalisten und Politiker. Vielleicht hätten die ganzen ach so Unvorbereiteten sich mal den Film “Enron - The smartest guys in the room” anschauen sollen. Die Parallelen sind derart erstaunlich, dass ich so weit gehen würde, dass Enron - entweder rückblickend oder bereits in dem Moment - eine Generalprobe für die Finanzkrise darstellte. Eine Krise, die mitnichten aus heiterem Himmel über uns hineinbrach. Denn eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt in beiden Fällen die Deregulierung der Märkte.

Im Fall Enron sorgte der noch ein “kleines-bisschen-Präsident” Georgie für die Deregulierung der Märkte, was dazu führte, dass Enron spekulieren durfte, wie sie lustig waren. War auch Ehrensache, dass George so freundlich war, schließlich hatte Enron ihn mit dem größten aller Spendenvolumen seines Wahlkampfes 2000 mit auf den Thron gehievt. Der CEO, also der Cheffe von Enron, Ken Lay, Sohn eines Baptistenpfarrers und ehemaliger Staatssekretär im Innenministerium, war dicker Kumpel von George Senior. “Niemand hat mehr für George getan”, bemerkt Papa Bush voller Anerkennung. Ob sich Enron irgendwas dabei gedacht hat? Die Banken sind übrigens auch nicht gerade knickrig, wenn es um Wahlkampfspenden geht. Sie spenden einfach großzügig an beide Kandidaten. Ob die wohl irgendwas dafür erwarten? Vielleicht Deregulierung, wie in der Vergangenheit geschehen?

Enron hatte bei dem Erstellen von Bilanzen einen Spitzentrick, der auch ganz akkurat von sämtlichen Behörden abgenickt wurde. Ich habe von Bilanzen wirklich keinen Schimmer, aber dass die Enron mark-to-market-Buchführung irgendwie nicht so ganz koscher sein konnte, begreife sogar ich. Sie durften einfach ihre eigene Gewinnaussicht als Gewinn verbuchen! Das ist doch was! Da steigt die Aktie sogleich fröhlich an, die wiederum Zeugnis dafür ablegt, dass es dem Unternehmen total gut geht. Bleibt nur ein Problem, nämlich das, wenn die Erwartungen doch nicht so ganz erfüllt werden sollten. Aber dafür hatte Enron auch die passende Maßnahme. Die Schulden wurden einfach an Scheinfirmen abgeführt, die in der Enron-Bilanz nicht auftauchten und die mit Enron-Aktien abgesichert waren, die bekanntlich immer und immer weiter stiegen. Alles im Lot, also. Und wie machen das die Banken? Sie verkaufen faule Kredite, die die Bilanzen verunstalten würden, einfach als Wertpapierpakete an andere, gern an kleinere Banken und machen damit auch noch Gewinne. Gewinne aus faulen Eiern. Und die Bilanzen sehen so lange sauber aus, bis dieser Kettenbrief nicht mehr weitergegeben wird.

Der Geschäftsführer von Enron, Jeffrey Skilling, wurde im Film von einer Investorin gefragt, womit Enron eigentlich sein Geld verdienen würde und Skilling stammelte: “Yes, yes, yes … Asshole.” Das muss doch als Erklärung wirklich genug sein. Ob Skilling diese Erklärung auch den Banken mitteilte, die Enron mit Krediten zuballerten? Denn bevor man ein Weltkonzern wird, braucht man doch schließlich ordentlich Kohle. Übrigens investierten auch noch die mächtigsten Banken der Erde in einen reinen Enron-Fond, der sich auf die diversen Scheinfirmen erstreckte. 91 Banken stiegen ein. Aber von dem nicht ganz so sauberen Gebahren Enrons haben die bestimmt nichts gewusst, oder? Sind doch schließlich keine Experten auf diesem Gebiet.

Wir können an Parallelen also schon mal die von der Politik erkaufte Deregulierung der Märkte und das Phänomen feststellen, dass Schulden durch geschickte Weitergabe einfach nicht in den Bilanzen auftauchen. Weiter gehen die erstaunlichen Ähnlichkeiten von Enron und den Banken, und zwar dass sämtliche Analysten immer nur positive Erwartungen an die Akienentwicklung ausriefen. Ein Analyst, der es wagte, das siebtgrößte Unternehmen der USA kritisch zu bewerten, wurde von seiner Bank einfach schnell entlassen. Und die vier Investmentbanken wurden doch bis zu ihrem Niedergang auch nicht gerade eisenhart kritisiert. Ob da die Jobangst kursierte?

Als Enron in den Markt in Kalifornien richtig einsteigen wollte, war dieser noch durch den damaligen Senator Davis teilreguliert - sehr zum Leidwesen Enrons. Da hatten die smartest guys in the room wieder ne super Idee. Da sie die Stromversorgung kontrollierten, stellten sie diesen einfach immer wieder mal ab. Aufgrund der Verknappung schnellte der Strompreis in schwindelerregende Höhen, worauf Enron natürlich eifrig spekulierte und die Kalifornier schrien nach einer Lösung für die (gemachte) Energiekrise. Die Lösung kam in Person von Gouvernator Arnold Schwarzenegger, der schnell die Märkte weiter deregulierte. Und die armen, armen Banken? Sind die nicht auch ein kleines bisserl verantwortlich für die Finanzkrise? Können die nicht den Geldfluss steuern? Sind große Krisen vielleicht immer gemacht? Na, wie auch immer, jetzt wirds auf jeden Fall Obama und vor allem der IWF richten, der einfach dem Finanzsystem global und zentralistisch auf die Finger gucken soll. Schon erstaunlich, dass zwar nach Regulierung gerufen wird, aber gar nicht gefragt wird, wie die Deregulierung überhaupt vorher zu Stande kam, wer daran beteiligt war und wer davon profitiert hat.

Der Ausgang vom Enron-Skandal und der Finanzkrise ist ähnlich. Bezahlen müssen Angestellte, Sparer und Klein-Aktionäre. Bei Enron verloren die Mitarbeiter nicht nur ihren Job, sonder auch noch ihre gesamten Ersparnisse, die sie in die Firma gesteckt haben. Die vorher erbeuteten Gewinne waren da schon längst von den Obersten und den Aktionären abgeschöpft. Genauso wie bei den Banken. Jahrelang machten sie unfassbare Gewinne aus dem Nichts, die sich Manager und Aktionäre schön einsackten. Für die Schulden stehen anschließend Steuerzahler und Kleinaktionäre gerade. Die Verantwortung übernahm in beiden Fällen niemand. Weder in der Finanzkrise, noch in der Enron-Pleite. Keiner habe was gewusst. Die Gier der Manager sei bestimmt einfach ausgeufert. Dass diese Gier vorher durch Prämiensysteme überhaupt erst erschaffen wurde, kann da doch unter den Tisch fallen.

Einen Unterschied zwischen Finanzkrise und Enron gibt es aber doch: Die Enron-Chefs sitzen im Gefängnis und Enron bekam für seinen Betrug kein Geld vom Staat. Die nicht minder betrügerischen Banken haben als Ausgleich für die von ihnen verursachte Finanzkrise wohl bereits satte 2 Billionen Dollar von der FED erhalten. Fehler in der Generalprobe sind halt doch noch zu beheben.