Jede/r Fastende hat schon mal folgendes so oder so ähnlich erleben dürfen: An den ersten drei Tagen plagt uns mehr oder weniger schwer der Hunger. Bei mir fühlt es sich nicht so schwer an, weil mein Willen dem Hunger nicht das Feld überlässt. Der Willen oder vielmehr die Überzeugung zu fasten verdrängt den Hunger in das Reich der Bedeutungslosigkeit. Wie anders es doch ist, wenn wir der Überzeugung sind, essen zu müssen… Während dieser drei Tage können wir schlapp und/oder mächtig gereizt und dünnhäutig sein. Aber dann, wenn diese drei Tage überstanden sind, tritt Leichtigkeit, Klarheit, Fröhlichkeit, Freiheit, Aufmerksamkeit und ein erstaunliches Maß an Energie ein. Ist doch eigentlich merkwürdig, oder? Man sagt uns doch immer, dass wir eigentlich nur mit Hilfe von Essen Energie bekommen können. Dann nach einer meist herrlichen Woche brechen wir das Fasten ab und futtern wieder munter drauf los. Mit dem Resultat, dass die Leichtigkeit, die Klarheit, die Fröhlichkeit, die Freiheit, die Aufmerksamkeit und das erstaunliche Maß an Energie sich ganz schnell wieder verpieseln.
Jetzt stellt man sich doch vielleicht die Frage, was da eigentlich los ist. Treten all die angenehmen Resultate des Fastens nur in dem Rahmen einer Woche ein oder würden sie anhalten, wenn wir sehr viel länger, vielleicht sogar bis zum Rest unseres Lebens fasten würden?
Nein!, schreien da die Meisten, selbst diejenigen, die offenen Geistes sind. Der Mensch brauche feste Nahrung zum Überleben, das sehe man schließlich daran, dass Menschen ohne Nahrung verhungern, dass Magersüchtige sterben und dass jedes Tier auf Erden regelmäßig feste Nahrung aufnehmen müsse. Hm, diese Argumente scheinen natürlich plausibel, aber ich wage mal einfach ein paar ketzerische Thesen:
Es gibt Menschen, die nicht essen. Niemals. Und es geht ihnen ganz ausgezeichnet. “Alles Lüge, kann nicht sein”, werden viele sofort sagen, aber die Tradition des Nahrungsverzichts gibt es in vielen Kulturen. Ich empfehle jedem offenen Geist den Film “Am Anfang war das Licht”, der viele Beispiele von Menschen zeigt, die aus meiner Perspektive sehr glaubwürdig berichten, dass sie nichts essen. Und vielleicht hast Du von dem indischen Yogi gehört, der behauptet, seit 62 weder gegessen noch getrunken zu haben, was den Grundlagen der Medizin und der Biologie nun mal so gänzlich widerspricht. Dieser wurde allerdings über zwei Wochen in einem Krankenhaus in Indien dauerüberwacht, an Geräte angeschlossen und die ganze Zeit gefilmt. Und was ist zum allgemeinen Verblüffen festgestellt worden? Der Yogi hat weder gegessen, noch getrunken, noch war er auch nur einmal auf dem Klo. Eine Eigenschaft, für die ihn sicher viele Indienreisende beneiden werden.
Was sagt uns das? Wenn Einzelne etwas können, müsste es theoretisch für jeden möglich sein.
Wenn ich über stoffliche Nahrung weiterdenke, dann ist es doch so, dass die aufgenommenen Stoffe, in meist unerfreulich veränderter Form, wieder den Weg aus unserem Körper finden. Wir behalten ja nichts davon, außer, dass wir die darin gespeicherten Informationen in unseren Zellen umwandeln. Die enthaltene Energie wird je nach Stoffwechsel zu Fett oder Muskeln, Vitamine und Spurenelemente beleben uns. Aber geht Nahrung wirklich nur so, nur über den Weg, dass wir irgendetwas essen? Und was brauchen wir überhaupt zum Leben? Und vor allem was brauchen wir zu einem glücklichen Leben?
Es ist doch Fakt, dass zumindest industrielles Essen eine der Todesursachen Nummer Eins in der westlichen Welt sind. Eigentlich müssten auf Fastfood oder Tiefkühlpizzen Warnhinweise wie auf Zigaretten stehen. Gerade wenn wir wir z.B. bei Mc Do ein Sparmenü verputzt haben, fällt auf, dass der Hunger nach kurzer Zeit wiederkehrt. Fragt sich doch, was Hunger überhaupt ist. Denn besonders dicke Menschen haben oft besonders viel Hunger. Wohl kaum aus dem Grund, weil ihr Körper ihnen freundlich mitteilen will, dass ihr er dringend Nahrung zum Überleben braucht. Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass Hunger ein Entzugssymptom ist. Das Gleiche wie Schmacht bei einem Raucher oder der gefürchete Affe beim Junkie. Ich glaube tatsächlich, dass wir gar nicht unbedingt Essen brauchen. Zumindest nicht in dieser uns auferlegten Regelmäßigkeit von Frühstück, Mittag und Abendessen. Ich glaube, dass wir hier wie überall Mustern unserer Zellen erlegen sind, die uns höchst ungemütlich werden lassen können, wenn sie nicht befriedigt werden. Die uns sogar verhungern lassen können, wenn wir denken, sie befriedigen zu müssen. Wobei ich glaube, dass Verhungern nie alleine dadurch zu Stande kommt, dass nichts gegessen wird, sondern immer auch schlechtes Wasser, Perspektivlosigkeit und destruktive Gedanken dazu kommen. Und vielleicht brauchen auch Kinder Nahrung, bis zu welchem Alter kann ich nur mutmaßen und vielleicht ist es auch so, dass wir zum Erzielen körperlicher Höchstleistungen Nahrung brauchen. Aber sonst brauchen wir sie, glaub ich, nicht.
Ich habe das die letzten Monate ausprobiert. Ich richtete und richte mein Leben so aus, dass ich nicht mehr esse, um einer Notwendigkeit nachzugehen, sondern lediglich um zu genießen oder um sozial zu sein. Denn der Vorgang des gemeinsamen Essens ist natürlich sehr viel mehr, als nur Nahrungsaufnahme. Ich fühlte mich die ganze Zeit wirklich hervorragend. Ich war klarer, fröhlicher, freier. Es ist tatsächlich ein großer Schritt in die Freiheit, wenn man sich nicht ständig einen Kopf machen muss, wie man seinen Hunger bekämpft. Außerdem ist mein Körper nicht ständig mit dem ermüdenden Vorgang des Verdauens beschäftigt. Eher teilt mir mein Körper mit, dass er sich freuen würde, gelegentlich ein paar Cashews zu essen. Oder ich habe große Lust auf einen Obst-Gemüse-Kräuter-Ingwer-Shake, den ich mit großer Freude zu meiner Hauptnahrungsquelle gemacht habe. Ich dachte kurz daran, an mir zu zeigen, dass wir tatsächlich von Licht, Luft und Liebe leben können. Aber ich bin ein Genießer. Ich möchte mich nicht geißeln, sondern alles erleben, was es zu erleben gibt. Möchte herrliche Genüsse erleben, auf nichts verzichten. Ach, und um noch auf die zwei Einwände einzugehen, die “normal” denkende Menschen haben:
Magersüchtige haben destruktives Gedankengut, machen sich selbst durch ihre mangelnde Selbstliebe und zerstörerischen Hass auf sich selbst kaputt. Und Tiere haben nun mal nicht das Bewusstsein, über das ein Mensch verfügt. Sie können nicht wie wir, das Leben in die eigenen Hände nehmen. Sie können nicht Chef ihres Stoffwechsels, ihres Körpers und ihrer Zellen werden. Aber wir!




