Im Deutschen unterscheiden wir nicht die verschiedenen Formen des Glücks. Dies ist ein Manko der deutschen Sprache. Denn schließlich gibt es zum Einen das Berauschende, die Ekstase, also durch den Körper hervorgerufene Glücksgefühle. Weiterhin finden wir unverhoffte, ungeplante Glücksmomente, wie etwa Lottogewinne oder Glück im Spiel. Die für mich wichtigste Form des Glücks stellt die nachhaltige Zufriedenheit dar, der LIEBE ähnlich.

Im Nachhall auf meinen letzten Beitrag dachte ich über nachhaltiges Glück bei der Arbeit nach und da fiel mir mein Praktikum bei den Grünen während des Europawahlkampfes vor fünf Jahren ein. Jetzt würde ich das nicht mehr machen, aber damals war ich überzeugt von der Richtigkeit meines Einsatzes. Unsere Wahlkampfzentrale für Berlin bestand neben mir noch aus zwei weiteren PraktikantInnen,  Jens und Lea. Natürlich gab es noch Vorgesetzte und ständige Mitarbeiter, aber wir waren die Schnittstelle, schrieben Pressemitteilungen, ersannen Veranstaltungen und führten sie durch. An unserer kleinen Gruppe war bemerkenswert, dass wir auf völlig natürliche Weise unsere Fähigkeiten und Talente in die Gruppe einbrachten. Lea hatte ein Faible für Praktisches, überwachte das Wahlkampfmaterial und hatte Freude daran, in Absprache mit den Bezirksgruppen alles ranzuschaffen, was gebraucht wurde. Jens kristallisierte sich als Schnittstelle zwischen Bundes-, Landes-, und Bezirksebene heraus, weil er ein sehr gutes Gespür für Menschen hatte und zudem über eine ordentliche Portion Organisationstalent verfügte. Mein Bereich bestand größtenteils im Kommunikativem: Telefonate mit etwaigen Moderatoren und TeilnehmerInnen für Wahlkampfveranstaltungen, deren Form und Inhalt ich ebenfalls meistens entwickelte; Verfassen von Pressemitteilungen und Einladungen. Neben unseren Bereichen, die sich aufgrund unserer Begabungen und Stärken auf natürliche Art offenbarten, befruchteten wir uns gegenseitig. Jeder von uns ließ den Anderen an seinem Wissen teilhaben und unterstützte ihn. Wir lernten, unsere Schwächen zu minimieren. Halfen uns gegenseitig. So übte ich mich in praktischer Arbeit, Lea lernte die Kunst des Schreibens und Telefonierens und Jens konnte in sämtlichen Bereichen zulegen. Wir ergänzten uns optimal. Während ich unsere Vorgesetzte kritisierte, glättete Jens anschließend die Wogen.

Dieses Praktikum zeigte mir, dass wir dann am Wirkungsvollsten und auch am Glücklichsten sind, wenn wir unser Element finden, unsere Stärken erkennen und diese zum Allgemeinwohl einbringen. Dass wir FREUDE an der Arbeit haben, wenn wir dem Anderen seinen Erfolg nicht neiden und ihm Wissen vorenthalten, sondern uns gegenseitig unterstützen. So lässt sich nachhaltiges Glück bei der Arbeit erzeugen. So arbeiten wir am Wirkungsvollsten im Team. Im Kleinen wie im Großen.

Glück ist übrigens an einer Schule in Heidelberg ein Schulfach, was ich großartig finde. Dieses wird vor allem durch Vertrauen in sich und Andere vermittelt. Ebenso sollte meines Erachtens Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit, besser noch Wohlbefinden, unterrichtet werden. Schließlich sind dies doch entscheidende Elemente eines gelungenen Lebens und so durchaus wert, in der Schule vermittelt zu werden.