Hier und da findet man selbst im Fernsehen Erhellendes. Ich zappte in eine der diversen Freitagabend-Talkshows, die ich manchmal ganz schön finde, weil die Teilnehmer dort über Biographisches und Persönliches berichten und nicht dumm und nutzlos rumdebattieren wie anderswo. Der Moderator des Politmagazins Quer, Christoph Süß, erzählte von einem Versuch, der in den USA durchgeführt wurde. Dort hat eine Lehrerin in einer Schulklasse alle blauäugigen Kinder separiert, um zu zeigen, wie Rassismus funktioniert. Anschließend hat sie diese fürchterlich zur Schnecke gemacht. Wie zurückgeblieben und dumm sie seien, dass sie nichts könnten undsoweiter. Kann man wohl auch bei youtube ansehen, was aber kein Vergnügen sein soll. Nach dieser Szene am Pranger wurde ein Test geschrieben. Sämtliche Blauäugigen versagten kläglich.

Ich finde, dass dieses kleine Beispiel zeigt, wie die Umwelt Einfluss auf das eigene Erleben nimmt. Jeder Mensch mit, wie man heute political correct sagt, Migrationshintergrund, erlebt versteckte oder unverhüllte Ablehnung. Spürt, dass er nicht willkommen ist und dass er als schlechterer Mensch wahrgenommen wird. Diese Ablehnung manifestiert sich in seiner Selbstwahrnehmung. Es führt zu Aggression unter Jugendlichen und zur Abkopplung von der Gesellschaft. Natürlich spielen noch Machotum und Religion mit rein, aber das bewusste oder unbewusste Brandmarken ist wahrscheinlich tatsächlich der Hauptgrund für mangelnde Integration. Wobei ich Integration als gegenseitigen Respekt und Achtung verstehe und nicht als Assimilierung in eine westliche Gesellschaft.

Wenn nun so ein Brandstifter wie Sarrazin auf den Plan tritt und mit seinen von der Bild hofierten rassistischen Thesen kommt, dass die Gesellschaft nicht vermischt werden darf, stärkt es den unterschwelligen Rassismus, der wiederum zur Folge hat, dass die Annahmen zur Realität werden. In den USA sind die Gefängnisinsassen überwiegend schwarz, was natürlich nichts mit irgendwelchen Genvoraussetzungen, sondern einfach damit zu tun hat, dass sie bestätigen, was in sie hereinprojeziert wird.

Wir verfügen über sogenannte Spiegelneuronen, die Gefühle und Ansichten unserer Umwelt in uns spiegeln. Im Guten wie im Schlechten. Wenn wir beigebracht bekommen, dass wir großartig sind und geliebt werden, ist die Wahrscheinlichkeit für ein gutes Leben sehr viel größer als wenn uns gesagt wird, dass wir nutzlos und dumm sind und sowieso nichts aus uns wird. Was Andere sagen und was andere uns gegenüber fühlen, kann zu unserem Selbstbild werden. Wenn uns gesagt wird, dass wir krank sind, dass wir einen aggressiven Krebs in uns tragen, wird die Angst darum uns krank machen und vielleicht sogar umbringen.  Vielleicht ist eine Diagnose das Schlimme und nicht die Krankheit, die vielleicht etwas ganz Anderes ist, als wir annehmen.

Glücklicherweise können wir dazu beitragen, dass wir Anderen ein positives Gefühl übermitteln. Indem wir sie in ihren Ideen, in ihrem Wesen bestärken. Ich sage jedes Mal, wenn ich etwas an Jemandem toll finde. Wenn jemand eine schöne Leistung anbietet, wenn jemand etwas Gutes sagt oder tut. So trägt man mit dazu bei, dass sich dieser Mensch gut fühlt, dass dessen Selbstwertgefühl gestärkt wird und er so auch positiv zur Menschheit beitragen kann. Jeder kann ein kleines Bisschen mit daran wirken, dass die Welt zu einem besseren Ort wird. Indem wir unsere Kinder bestärken, wenn sie etwas gut machen und liebevoll auf Irrtümer hinweisen, wenn sie mal danebenliegen. Und selbst wenn uns irgendwelche Leute sagen sollten, dass wir es nicht wert sind: Wenn wir an uns arbeiten, wenn wir mit LIEBE arbeiten, haben wir gar nicht mehr die Resonanz für Negatives. Wir wissen dann, dass diejenigen, die uns mit irgendwelchen negativen Gedanken bombadieren, selber blöd dran sind. Die LIEBE in uns ist stärker, als der Einfluss der Umwelt auf uns.