Können wir frei und gleichzeitig gebunden sein? Mit dieser Frage wurde ich konfrontiert, als ich mich mit einem anderen Seminarteilnehmer bei MARYAM unterhielt. Denn schließlich bin ich als Herr Freude an Bindungen gewissermaßen mitbeteiligt. Auch wenn ich nicht an einen Staat binde, weil ich nicht der Standesbeamte bin. Trotzdem bleibt die Frage, ob uns Bindungen davon abhalten, wirklich FREI zu sein. Ob sie uns davon abhalten, EINS zu werden.
Pauschalantworten sind ja meist nicht angemessen. So auch hier nicht. Auch wenn es vielleicht irgendwann gar keine Bindung mehr zu Dingen, Institutionen oder Menschen geben wird, weil wir uns bewusst werden, dass sowieso alles miteinander verbunden ist, so bin ich der Überzeugung, dass sie im Moment noch, zumindest für Einige, großen Nutzen haben.
Beginnen wir mit der Bindung an Dinge. Jeder freut sich doch, von schönen Dingen umgeben zu sein. Einige sammeln auch, was mir allerdings fremd ist. Ich glaube, dass es solange in Ordnung ist, Dinge zu besitzen, solange sie uns nicht fesseln. Solange sie uns nicht davon ablenken, was wirklich wichtig ist. Ich zum Beispiel erfreue mich täglich an den Bildern, die an unseren Wänden hängen. Was wir aber nicht allzu viel besitzen sollten, sind Dinge, die Ballast in unserem Leben darstellen. Dinge, die mit schlechten Erinnerungen vollgesogen sind und uns davon abhalten, uns weiterzuentwickeln. Dinge, wie ein Auto, können uns helfen, weil sie uns flexibel halten, wenn unsere Gedanken aber ständig darum kreisen, bremsen sie uns. Zweischneidige Sache also.
Ebenso zweischneidig verhält es sich mit Menschen. Ohne meine Frau hätte ich meinen Weg so auf keinen Fall beschritten. Ohne ihre Hilfe, ohne ihre Kritik, ohne ihr Fähigkeit, mich auf den Boden zurückholen, hätte es meinen Weg nicht gegeben. Hätte ist natürlich Unsinn, denn es ist nun mal, wie es ist, aber ich kann sagen, dass wir uns beiden sehr gut tun. Wir entwickeln uns mit und aneinander. Lassen uns, und dafür muss ich nach wie vor kämpfen, unsere Freiheiten. Denn das ist ein wesentlicher Punkt, um zu erkennen, dass eine Beziehungs-Bindung eine heilsame ist. Wenn wir nicht verbogen werden. Wenn wir nicht gefesselt werden. Diese Form von Fesseln stelle ich oft fest. Da wird es einem nicht gegönnt, wenn man etwas Schönes erlebt, was dazu führt, dass man bitteschön nichts alleine erleben soll. Dieses Gefühl ist mir fremd, aber ich sehe es häufig. Wenn wir uns für die Beziehung verbiegen müssen, und damit meine ich nicht, sich entwickeln zu müssen und selbstkritisch zu sein, läuft etwas falsch. Dann ist eine Beziehung keine gesunde.
Als Herr Freude erlebe ich so gut wie immer, dass sich die Paare wirklich gut tun, dass sie sich in eine erfreuliche Richtung entwickeln, dass sie beide profitieren. Dann ist doch nichts gegen so eine Bindung zu sagen. Auch wenn die spirituelle Theorie vielleicht sagt, dass jegliche Form von Bindungen uns davon abhalten, FREI zu sein. Jeder sollte aber FREI entscheiden und sich nicht unter ein Dogma stellen, wovon man im Inneren nicht überzeugt ist. Mich hat meine Beziehung zu einem rücksichtsvolleren, reflektierteren, mitfühlenderen und glücklicheren Menschen gemacht. Is doch jut! Es liegt einfach an jedem Einzelnen von uns. Wenn wir bindungslos sind, können wir uns voll auf unsere geistige Entwicklung konzentrieren, was gut ist und in einer Beziehung können wir uns darauf konzentrieren, miteinander zu wachsen. Beides ist gut. Für jeden ist es anders. Nicht jede Bindung bedeutet Fessel. Wir sollten uns nur innerhalb der Bindungen FREIHEIT bewahren. Die FREIHEIT, das zu tun, was uns wirklich wichtig ist und den Anderen das tun zu lassen, was ihm wichtig ist. Das tue ich auch. Und deshalb kann ich auch guten Gewissens, als Herr Freude daran beteiligt sein, zwei Menschen zu verbinden. Dabei ist mir wichtig, keine Eide für die Zukunft sprechen zu lassen. Denn Eide wie in der Kirche lassen uns an diese Institution fesseln. Und solche Fesseln sind nicht die Verbindungen, die ich anstrebe. Vielleicht wird es irgendwann überhaupt keine Verbindungen mehr geben. Aber im Moment fühlen sie sich für mich noch sehr gut an.




