Kunst liebe ich dann, wenn sie mich berührt. Das kann ein Lied sein, ein Bild, ein Tanz, eine Skulptur, ein Essen oder auch ein Buch. Und so ein Buch habe ich gerade gelesen. “Eat, pray, love.” berührte mich, weil es sehr persönlich und authentisch ist, was ich immer sehr schätze, weil es absolut wahrhaftig, geistreich, selbstironisch und witzig ist. Die Autorin Elizabeth Gilbert berichtet von ihrer langen Reise durch drei Länder, die eigentlich eine Reise zu ihrem Innersten ist. Nach überstandener Horrorscheidung mit begleitender Depression, berichtet sie von einer Reise, die sie nach Italien führt, wo sie dem Genuss fröhnt, nach Indien, wo sie Kontakt mit ihrem Innersten Göttlichen Sein erfährt und schließlich nach Bali, wo sie weltliche Freuden und geistige Erkenntnisse in Einklang bringen möchte. Sie berichtet von all den Unwegsamkeiten, ihren Fehlern, ihren Begegnungen, ihren Einsichten.

In Italien ging sie ausschließlich dem kulinarischen Entzücken, der Schönheit und dem Drang nach, mal nichts zu tun. Einfach nur zu genießen, was ihr gar nicht so leicht viel. Und ein Tipp werde ich auf jeden Fall in meinen nächsten Urlauben übernehmen. Bevor man Essen geht, einfach einen Einheimischen fragen, wo man am Besten essen kann. Da gerät man nicht in die Touristenfallen. Falls Du mal nach Neapel fahren solltest, musst Du nach Gilbert auf jeden Fall in der Pizzeria “Da Michele” die Magherita mit doppelt Mozzarella essen, wo es nicht weniger als die beste Pizza der Welt geben soll. Sie beschreibt das Erlebnis mit der Pizza so, dass der Leser das Gefühl hat, ein bisschen an diesem kulinarischen Orgasmus Teil zu haben. Menschen, die den Genuss lieben, sind mir auf jeden Fall schon mal sehr sympathisch.

Mit einigen Kilos mehr auf den Rippen geht´s nach Indien, wo sie vier Monate in einem Ashram lebt. Dort hat sie gegen Ende, nach vielen Misserfolgen und Qualen ein Erlebnis, das ich sehr gut nachvollziehen konnte:

Ich wurde - einfach ausgedrückt - durch das Wurmloch des Absoluten gezogen, und in dieser rasenden Bewegung habe ich das Wirken des Universums plötzlich vollkommen verstanden. Ich verließ meinen Körper, verließ den Raum, verließ den Planeten, ich schritt duch die Zeit und trat in die Leere ein. Ich war in der Leere, war die Leere und betrachtete die Leere, alles zur selben Zeit. Die Leere war ein Ort grenzenlosen Friedens und unendlicher Weisheit. Sie war bewusst und intelligent. Sie war Gott, so dass ich mich im Innern Gottes befand. Aber nicht auf eine grobe, physischer Weise - nicht, als wäre ich Liz Gilbert, die irgendwo in Gottes Oberschenkel steckt. Ich war schlicht und einfach ein Teil von Gott. Außer, dass ich auch noch Gott war. Ich war sowohl ein winziges Stück des Universums als auch genauso groß wie dieses. (…) Es war das einfachste und grundlegenste Geschehen überhaupt. Es war der Himmel, ja. Es war die tiefste Liebe (LIEBE!), die ich jemals erlebt hatte un die alles überstieg, was ich mir vorher hätte vorstellen können,… (…) Nicht nur vorbehaltloses Mitgefühl und Einssein mit allem und jedem spürte ich, sondern wunderte mich auch, dass man überhaupt anders fühlen konnte.

Klingt nach einem ganz ähnlichen Erleben wie meine erste spektakulären Begegnung mit dem GÖTTLICHEN. Als sie wieder aus diesem Zustand fiel, und sie ganz verzweifelt über diesen Umstand war, fühlte sie die Worte GOTTES:

Wenn du einmal begriffen hast, dass du immer DA bist, darfst du wiederkommen.

Macht doch FREUDE, oder? Und noch mehr Einsichten stecken in dem Buch:

Stell Dir vor, das Universum wäre ein großes rotierendes Rad. Wahscheinlich würdest Du dich eher in der Mitte aufhalten wollen und nicht am Rand, wo es einen wild herumwirbelt und man buchstäblich durchdreht. Das ruhige Zentrum aber, das ist dein Herz. Gottes Wohnstätte in deinem Innern. Also hör auf, in der Welt nach Antworten zu suchen. Kehr einfach in diese Mitte zurück, dort wirst du dauerhaften Frieden finden.

Obwohl, ein paar Antworten kann man auch in der Welt finden. In den Zeichen, in den Begegnungen, in der Reflexion. Eine gute Erklärung zum Streben nach Glück liefert die Meisterin von Liz Gilbert, die sie jedoch nie persönlich kennen lernt:

Im Allgemeinen, sagt sie (die Meisterin), verwechselten die Menschen das Glück mit einer Glückssträhne, einem Zustand, der sie überkomme wie schönes Wetter, dann nämlich, wenn Fortuna es gut mit ihnen meine. So aber funktioniere Glück nicht. Glück sei die Folge persönlicher Anstrengungen. Man müsse dafür kämpfen, danach streben, darauf bestehen und, auf der Suche danach, zuweilen sogar um die ganze Welt reisen. An der Realisierung unserer günstigen Schicksale müssen wir selbst arbeiten. Und sobald wir einen Glückszustand erreicht haben, müssen wir ihn aufrechterhalten, dürfen nicht nachlassen, müssen uns gewaltig anstrengen, weiter nach oben und und auf dieses Glück zuzustreben, damit es uns zu tragen beginnt.

Tja, so ist das dummerweise ; ). War wohl nix mit Müßiggang und einfach mal abwarten, bis die Dinge in den Schoß fallen.

Der letzte überaus glücklich machende Teil der Reise auf Bali bringt sie tatsächlich in ein freudiges Gleichgewicht. Sie freundet sich mit einem ulkigen und sehr weisen Medizinmann an, der sie weitere Meditationen lehrt, unter anderem einfach zu sitzen und zu lächeln. Sehr gut. Die romantische Liebe trifft sie auch noch, tut wirklich Gutes und findet das Glück. Für mich spannend war darüber hinaus auch noch, dass ich an den beschriebenen Orten selbst schon war und so ein klares Bild vor Augen hatte.

Resümierend lässt sich sagen, dass ich außerordentlich gerne an der inneren und äußeren Reise von Elizabeth Gilbert teilgenommen habe. Wenn andere von ihren Problemen, Ängsten und Sehnsüchten berichten, können wir immer auch etwas auf unser Leben übertragen und dadurch lernen. Und dank der charmanten und witzigen Art von “Eat, Pray, Love” lernt es sich besonders angenehm.