Glaube ohne LIEBE macht fanatisch. Dieses Phänomen musste ich in der Vergangenheit und ein wenig bis heute am eigenen Leibe spüren. Na ja, gespürt habe ich es eigentlich nicht, es wurde eher an mich herangetragen. So z.B. durch meine Frau, die immer darunter zu leiden hatte, wenn ich mit Vehemenz Freunden meine Sicht der Dinge zu vermitteln suchte. Ich habe es damals so aufgefasst, dass sie nicht hinter mir stehen würde und immer die Position der Anderen einnehmen würde, obwohl sie doch zumindest einiges von dem, was ich zu wissen meinte, annehmen konnte. Jetzt weiß ich, dass ich in den Momenten einfach völlig entrückt und aggressiv gewirkt haben musste.

Diese Einsicht zu bekommen, war ein mühsamer Prozess. Denn schließlich hielt ich die Faktenlage dessen, was ich zu erzählen hatte, für absolut wasserdicht. Ich hatte für mein Empfinden durchblickt, wie wir manipuliert werden und besaß gleichzeitig den Schlüssel, wie wir aus dem Schlamassel rauskommen können, wie wir eine friedliche Welt, eine goldene Zukunft erreichen können. Es war immer eine Qual für mich, als mitteilungsfreudiger Mensch mit meiner Meinung hinterm Berg halten zu müssen, weil ich Gefahr laufen konnte, andere zu verletzen oder ein Bild von mir abgab, das meiner Sache alles andere als zuträglich war. Und dann gab es immer mal die Situationen, in denen Freunde oder Verwandte etwas erzählten, was so dermaßen mit meiner Sicht der Dinge kollidierte und ich in heller Aufregung nicht anders konnte, als meine gesammelten Fakten zu präsentieren. Dass meine innere Aufgebrachtheit als Aggression, Eifer und Fanatismus wahrgenommen würde, war mir dabei gar nicht klar. Auch später, wenn ich mit meiner Frau darüber sprach, konnte ich nicht vollständig annehmen, dass mein Auftritt womöglich suboptimal gewesen sein könnte. Schließlich war ich nach meiner Auffassung doch im Recht.

Aber in diesen Situationen war ich nicht in der LIEBE. Ich rechtfertigte mich, was nicht selten zu Aggression führte, die wie gesagt von mir gar nicht so sehr als solche wahrgenommen wurde. Ich dachte immer, dass die anderen einfach das Problem hätten, was daraus resultierte, dass ich schließlich ihr Weltbild auseinander nehmen würde. Dass das Problem aus meiner Art der Vermittlung resultierte, merkte ich gar nicht. Aber immerhin merkte ich immer wieder mal an anderer Stelle, dass ich, wenn ich ruhig und gut drauf war, mit humorvollen kleinen Einschüben zumindest Verständnis erreichen konnte. Dass man mir dann zuhörte und nicht auf Konfrontation ging. Dies ist eine meiner wichtigsten Aufgaben, die ich für mich lösen muss. Zu vermitteln und anzuregen, ohne gleich jeden völlig vor den Kopf zu stoßen.

Mit den eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden, ist in dem Moment nicht das Angenehmste der Welt, aber ein wenig später, nach der nötigen Reflexion, empfinde ich es einfach ein Segen. Es ist eine FREUDE, an sich zu arbeiten.

Glücklicherweise sind diese Aussetzer von mir sehr viel seltener geworden. Ich ertrage mittlerweile, wenn Andere Dinge erzählen, die mit meiner Auffassung kollidieren. Manchmal sage ich noch was, ecke zwar an, wirke aber nicht ganz so fanatisch. Hoffe ich zumindest. Was mir zusätzlich zu der Rückmeldung meiner Frau und anderer Freunde und zusätzlich zu meiner eigenen Reflexion die Augen geöffnet hat, war ein Film. Diesen kann ich zwar nicht uneingeschränkt empfehlen und einiges daran fand ich auch ein wenig ärgerlich. Aber er vermittelte mir eine wichtige Botschaft.

In happy-go-lucky von Mike Leigh tummelt sich eine höchst aggressive und freudlose Figur in Gestalt eines Fahrlehrers. Dieser haut sogenannte Verschwörungstheorien raus, die für meine Begriffe sogar ganz stimmig waren, die aber durch den vorgetragenen Fanatismus und die Aggression so stimmig sein konnten, wie sie wollten – sie wirken einfach wie die Ansichten eines Irren. Und dieses Bild möchte ich dann doch nicht so gerne abgeben. Ich werde weiter daran arbeiten, LIEBE zu leben und zu SEIN. Dann klappt es auch mit der Vermittlung meiner Ansichten.