Als ich am ersten Frühlingstag dieses Jahres zum Geburtstag einer Freudin radelte, fuhr ich an einem Kaffee vorbei, dessen Terrasse bis weit über den letzten Stuhl hinaus besetzt war. Auf der Menütafel stand: Heute - Frühling! Diese FREUDE über erste Sonnenstrahlen ist typisch für Berlin. Bei ersten Sonnenanzeichen werden Stühle durch das Fenster der Parterre-Wohnungen gehoben und auf dem Bürgersteig platziert.
Weiter fuhr ich an fröhlichen, bunt zusammengewürfelten Leuten vorbei. Im Mauerpark wogte eine riesige Menschentraube. Die Ränge des steinernden Amphitheaters besetzten viele Hundert Leute. Vor Ihnen, auf der Bühne, ein Mann in feinem Anzug. Von lauten Juchzern und ausgelassenem Jubel begleitet sang er aufopferungsvoll Karaoke. 200 Meter weiter ein Auftritt von der Band Die Ohrbooten. Zwischendrin Freaks, die Diablo-Tricks vorführen, irgendeinen Kram verkaufen, Frisbee spielen und Techno hören. Und mittendrin ich auf meinem Fahrrad und mir wird gewiss: Ich LIEBE Berlin!
Ich LIEBE Dich dafür, dass hier Ideen mehr zählen als Status. Dass das SEIN über den Schein regiert. Dass Du Dich ständig wandelst. Dass ich gleich vor meiner Tür die bunteste Mischung an Menschen erlebe, die es überhaupt in Deutschland geben kann. Ich sehe Lebenskünstler neben Managern, übel zugerichtete Obdachlose neben berühmten Schauspielern, Punks neben Nazis, Ostler neben Westlern, Normalos neben Gesichtstätowierten, Zugereiste aus allen Gebieten der Republik neben alteingessenen und griesgrämigen, aber ehrlichen Berlinern, sehe Menschen aller Herren Länder und fühle, dass ich Berlin wirklich LIEBE.
Berlin bietet die Freiheit, zu sein und auszusehen, wie man möchte und zu tun, was man möchte. Berlin toleriert jeden Lebensentwurf. Berlin knüpft keine Bedingungen an seine Bewohner. Berlin, ich LIEBE Dich!




