Mensch, war ich gestern ergriffen. Jetzt sprechen sich schon Republikaner für den designierten Weltverbesserer Obama als Präsidenten aus und zwar in Person von Ex-Außenminister Colin Powell. Der Colin Powell, der sich ja total schämt, vor dem UN-Sicherheitsrat mit einem riesigen Haufen Lügen über die zweifelsfreie Existenz von Massenvernichtungswaffen den zweiten Irak-Krieg gerechtfertigt zu haben. Hat er bestimmt echt nicht besser gewusst und sich nunmal leider auf die Erkenntnisse der Geheimdienste verlassen, die sich garantiert auch einfach nur geirrt haben. Blöde Verkettung widriger Umstände.
Aber was hat der gute Colin nicht schon für große Dinge geleistet. Er untersuchte als stellvertretender Stabschef das My-Lai-Massaker im Vietnam-Krieg, bei dem Angehörige der Americal-Division Hunderte vietnamesischer Zivilisten folterten und töteten und zahllose Frauen vergewaltigten. Sein Bericht besagte, dass es möglicherweise einzelne Fälle gegeben hätte, aber ein Massaker… Nein, nein. Diese “Untersuchung” entpuppte sich zwar als Schwindel, als Vertuschung, aber der ehrbare Powell erhielt trotzdem den wohlverdienten Orden dafür. War bestimmt auch irgendwie richtig.
Powell sagte auch zum 1986 aufgeflogenden Iran-Contra-Skandal aus, in der amerikanische Waffen gegen Geiseln und mutmaßlich auch gegen Drogen getauscht wurden. Teile der Affäre kamen ans Licht, belangt wurde natürlich kein Großkopferter und Powells Aussage war zwar “widersprüchlich, rechtfertige jedoch keine strafrechtliche Verfolgung”. Natürlich nicht. War wohl wieder ein Versehen.
Als militärischer Sicherheitsberater spielte er eine entscheidende Rolle in Operationen wie der Grenada-Invasion und den US-Bombenangriffen gegen Libyen, denen dummerweise wieder falsche Beweise zu Grunde lagen. Der hat aber auch ein verdammtes Pech! Schon tragisch, dass er immer wieder die gleichen Böcke schießt. Aber, er hat´s doch einfach nicht gewusst!
Als Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs führte er die US-Truppen in die Panama-Invasion, inszeniert von Dubbelyus Vatter George Senior, bei der ganze, ausschließlich von Zivilisten bewohnte Landstriche platt gemacht wurden und als militärisches Oberhaupt befehligte er die Truppen im ersten Golfkrieg, wo auch wieder anständig gemetzelt wurde und dem, oh Überraschung, wieder eine absurde Lüge zu Grunde lag. Diesmal in Person einer kuwaitischen, schauspielerisch begabten Botschafter-Tochter, die vor dem Kongress, als normales kuwaitisches Mädchen getarnt, von irakischen Soldaten zu berichten wusste, die wahllos Baby´s aus Brutkästen reißen würden. Dass das eine inszenierte Lüge war, hat der Colin aber nun echt nicht wissen können. Woher auch? Bereut er jetzt garantiert.
Dieser Powell, diese Transformation vom Saulus zum Paulus, dieser Liebste aller Neocons, adelt nun Obama, der sich postwendend artig für Powells jahrelangen Ratschläge bedankt. Jahrelange Ratschläge? Wie lang ist denn Obama überhaupt schon auf der politischen Bühne? Und gibt man politischen Gegnern Ratschläge? Ach ja, der Colin setzt sich doch über Parteigrenzen hinweg, weil er einfach das Gute unterstützen will. Weiter sagt Obama über Powell, und das ist jetzt wirklich rührend:
“Ein großer Soldat, großer Staatsmann, großer Amerikaner, hat unsere Kampagne für den Wechsel unterstützt, ich bin mehr als geehrt, ich empfinde Demut angesichts der Unterstützung durch General Colin Powell.”
Oh, ja, schnüff, ganz reizend. Jetzt bin ich wirklich vom “Change” überzeugt, der die Welt erfassen wird, wenn Obama das Zepter in die Hand bekommt. Und der gute Powell würde auch zum Glück wieder ein politsches Amt antreten, wenn der Präsident ihn rufen würde. Ob Obama das tun wird? Yes, he can!




