In jüngster Vergangenheit nerven mich Agentenfilme und -serien. Vor allem, wenn es um Terror geht. Die CIA wird entweder integer und human dargestellt oder sie sind unglückseligerweise manchmal von mächtig fiesen Terrororganisationen unterwandert oder es sind nur ihre fragwürdigen Methoden wie Bestechung und Folter, die angeprangert werden. Manchmal werden aber selbst diese Methoden für sinnvoll erachtet, wie in 24. Dass die Geheimdienste aber für die richtige Sache kämpfen, wird so gut wie nie in Frage gestellt. Manchmal versagen zwar Heimatschutzministerium oder CIA, aber nicht böswillig, sondern lediglich, weil sie leider manchmal einfach ein bisserl dümmlich sind oder nicht genügend Mittel zur Verfügung haben.

Aber gestern habe ich ein Quantum Trost gespendet bekommen. Denn was in dem neuesten Bond gezeigt wird, kann man schon als erstaunlich bezeichnen. Zunächst einmal gibt es dort eine Organisation, die alle wichtigen Institutionen, Geheimdienste und die Politik unterwandert hat. Ihr konspiratives Treffen halten sie in der Oper ab. Gezeigt wird Tosca. Und der Knaller ist: Das Bühnenbild besteht aus einem gigantisch großen Auge! Sie treffen sich unter dem allsehenden Auge!

Der Bösewicht ist der Chef einer Umweltorganisation. Mithilfe der Umweltschutzkeule, kommt ja immer gut an, sammelt er massenhaft Spenden und setzt diese für die Bestechung von Diktatoren ein, die dadurch wieder an die Macht kommen und die im Gegenzug der netten NGO Green Planet Land zusichern. Bestochen wird in Euro, weil auf den Dollar nicht mehr gesetzt wird. Dieses Gebahren wird vom CIA und Teilen des MI6 mit unterstützt. Wenn sie nicht Geschäfte mit den Bösen machen würden, könnten sie gleich auf sämtliche Geschäfte verzichten, bemerken sie.

Im Hinterhof der USA, in Südamerika, haben Politik und Geheimdienste ja schon so manchen Diktator eingesetzt, der das Land anschließend in Elend und Chaos gestürzt hat. Diese Regime bleiben auf Linie der USA, nicht so wie das aufmüpfige Venezuela. Im Film wird ebenfalls davon gesprochen, dass es fatal wäre, wenn widerständische marxistische Regime den USA beispielsweise den Ölhahn zudrehen würden. Erstaunliche Analogien.

Gleiches Gebahren wie von Green Planet habe ich schon von dem ach so tierlieben WWF vernommen, die mit dem putzigen Pandabären als Logo, das ungefragt auf so vielen Briefen erscheint. Sie sollen, so behaupten böse Zungen, sich in den obereren Rängen der Organisation nicht einen Pups für Tiere interessieren, aber sehr wohl dafür, sich Land in Afrika und anderen Gebieten unter den Nagel zu reißen. Über das, was die da machen, könnte ich nur spekulieren. Der Autor David Icke führt Elfenbeinhandel, die unbehelligte Errichtung von Terroristencamps und Ausbeutung der Bodenschätze als Gründe an. Ziel von Green Planet ist es in dem Bond-Film, die Wasservorräte armer südamerikanischer Länder zu horten und für überteuertes Geld zu verkaufen. Nicht immer sei Öl der Grund für weitreichende Interessen, wird im Film süffisant festgestellt. Hm, klingt plausibel für mich. Dass das Wasser nicht mehr dort fließe, wo es einmal geflossen sei, liege natürlich am menschengemachten Klimawandel. Eine weitere Analogie zur Realität stellt dar, dass sich Nestlé, die auch nicht gerade zu den zimperlichsten Weltkkonzernen gehören, weltweit Wasserrechte einverleibt. Green Planet ist übrigens Teil der mächtigen Geheimorganisation, die sich unter dem wachsamen Auge versammelt hat.

Tja, was hat das alles zu bedeuten? Wollen die Filmemacher uns wachrütteln, wie es ja in der Vergangenheit besonders Matrix geschafft hat? Neos Ausweis läuft da übrigens am 11. September 2001 ab. Ulkig, was?

Ist in Hollywood, im “heiligen Mistelwald”, in der “Traumfabrik”, wo doch eher die Desinformation blüht, den Studiobossen durch die Lappen gegangen, dass der Film völlig unverblümt diesen realen Zündstoff zeigt? Hm.

Verschiedene Erklärungsmodelle bieten sich an:

  • Die Filmemacher bedienen sich für ihre Geschichte einfach bei den “Verschwörungstheorien, die sie natürlich selbst nicht ernst nehmen.
  • Der Film will wachrütteln, will die grausame Realität abbilden.
  • Der Film will der Wahrheitsbewegung damit den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie das, was ist, einfach in einem Film darstellen, um es mit dem Label “Fiktion” zu bekleben. Jeder, der vom WWF als verbrecherischer Verein sprechen würde, könnte als jemand dargestellt werden, der einfach zu viel fern sieht. Wäre doch raffiniert.

Ich glaube, es ist eine Mischung aus allem. Die Studiobosse wählten nach meiner Ansicht Lösung 3, während die Drehbuchschreiber vermutlich wachrütteln wollen. Wenn auch nur unterbewusst. Der Regisseur Marc Forster hat mit “Wenn Träume fliegen lernen” schon einen tief spirituellen Film abgeliefert, so dass ich an seine Integrität glaube. Und so findet selbst Menschlichkeit in Bond statt, Rache wird als nicht befriedigend enttarnt und harte Männer stehen sich bei, indem sie mit Umarmung Kraft geben. Also, gib Dir ruhig das Quantum Trost, ich finde, es lohnt sich. Bei den diversen Verfolgungsjagden auf dem Wasser, in der Luft, mit dem Auto und zu Fuß, mit unfassbar vielen Schnitten pro Sekunde und einer verwischten Optik, wusste ich zwar nicht wo oben und unten ist, aber eines war der Bond sicher nicht: lahm.