Was bestimmt eigentlich unser Leben? Für einige sind es unveränderliche Gene, die unseren Charakter bestimmen, der wiederum unser Verhalten steuert. Daraus ergibt sich das Selbstbild, das wir haben. Und dieses Selbstbild scheint eine Auswirkung auf die Situationen zu haben, die uns in unserem Leben begegnen. Was allerdings die Meisten nicht merken.

Jeder kennt das Phänomen, dass manche Leute immer Pech in ihren Beziehungen haben, immer an die falschen Leute geraten, immer zu spät kommen, immer knapp vor ihrem Ziel scheitern undsoweiterundsoweiter. Meiner Ansicht nach handelt es sich bei diesem Phänomen allerdings nicht um irgendwelche festen, durch unveränderliche Gene gesteuerten Determinanten, sondern es handelt sich um wiederholende Muster, die sich mit jedem Grad der Wiederholung fester in unserem Hirn festsetzen. Was ist Schicksal? Was ist veränderbar? Ich denke, dass bereits vor unserem Leben, durch unsere diversen Vorleben, singuläre Ereignisse festgelegt sind, denen wir nicht entrinnen können. Dazu zählen vielleicht Unfälle und Schicksalsschläge, aber auch die Begegnungen mit lieben Menschen und unserem Seelenpartner. Es liegt nun an uns, wie wir diese Ereignisse interpretieren.

Und hier kommen die Muster ins Spiel. Angenommen, wir hatten, ganz harmlos, eine schlechte Erfahrung mit einem Mitmenschen. Wir deuteten diese Erfahrung als himmelschreiende Ungerechtigkeit und die Information wurde an unsere Synapsen übertragen. Später begegnen wir wieder einer solchen Situation, weil die Hirnstruktur an unsere Zellen und wieder zurück weitergibt, dass genau so eine Situation im Außen hervorgerufen werden soll. Wenn wir uns dann wieder als Opfer betrachten und wieder mit Wut oder Angst reagieren, setzt sich das Muster fest. Es wird immer und immer und immer wieder kommen. Bis wir es ändern. Wenn wir diese Herausforderung meistern, wird sie in dieser Weise nicht mehr auftreten.

Wir verwechseln Muster mit unserem Selbst. Wie oft höre ich Sätze wie “Ich bin dick, ich bin es nicht wert, ich bin nun mal so und so.” Wenn wir uns mit Mustern identifizieren, werden wir tatsächlich zu ihnen. Wir werden in bestimmten Situationen immer wieder auf die gleiche unerfreuliche Weise reagieren, solange wir uns unserer Muster nicht bewusst werden und die Bereitschaft zeigen, diese zu ändern. Und sie sind veränderbar. Ein schönes Beispiel ist eine Beziehung. Manchmal schleichen sich über Jahre die gleichen Mechanismen ein. Einer sagt etwas in einer bestimmten Art und Weise, der andere geht an die Decke und ein Streit entsteht, mit den immer gleichen Anschuldigungen. Wenn wir aber diese Mechanismen irgendwann durchblicken und sie ändern wollen … tada, lösen sie sich wie von Zauberhand auf. Das ist mal einfach, mal langwierig, aber immer möglich.

Ich sehe Muster als lebendige Gebilde, die sich in bestimmten Situationen, wenn wir ähnliche Hirnstrukturen aufweisen, geradezu über uns legen. Bei mir gab es zum Beispiel in meiner Schwiegerfamilie an Weihnachten immer wieder die gleichen Streitpunkte. Als würden sie ein Jahr schlafen und dann zum Leben erwachen. Durch die ähnlichen Hinweisreize des Rahmens Weihnachten fallen jedem immer wieder die schlechten Erinnerungen nebst schlechtem Reagieren darauf ein und warten nur auf eine frische Verfehlung, die die alte Wut wieder vollständig zum Leben erweckt. Und wenn wir nicht die Bereitschaft zeigen, etwas zu verändern, können wir uns gewiss sein, dass sich die Muster wiederholen.

Meine Muster haben sich im Laufe meines Lebens grundlegend geändert. Allerdings dummerweise nicht alle. So wiederholt sich hartnäckig, dass ich vor wichtigen Terminen irgendein plötzlich auftretendes Problem habe. Als Herr Freude stieg ich einmal in den falschen Zug, das Auto, das ich mir geliehen habe, wurde abgeschleppt, ich musste den vergessenen Anzug rennend holen, die Rede ist verschwunden und und und. Ich könnte jedes Mal eine schlüssige Entschuldigung vorweisen, muss aber einfach feststellen, dass es bei mir dauernd vorkommt und bei anderen bestimmt nicht. Also muss es wohl etwas mit mir zu tun haben. Früher waren schon mal alle meine Studienscheine weg, ebenso wie später meine Zeugnisse. Überhaupt ist ständig irgendetwas weg, Portemonnaies, Schlüssel, Klamotten, obwohl, wenn ich es mir recht überlege, war das lange nicht mehr der Fall. Ob ich dieses Muster wohl schon verändert habe?

Abgesehen von der Nerverei, mit denen ich mich bei meinen Mustern rumzuschlagen habe, sind sie doch eher harmlos. Weniger harmlos sind psychische oder chronische Erkrankungen, die sich vielleicht auch in den Genen erkennen lassen, aber Gene, Muster und Situationen im Außen bedingen sich gegenseitig. Es findet gegenseitiger Austausch statt. Wenn wir uns mit einem Muster identifizieren, wenn wir uns damit abfinden, schlechte Gedanken zu haben, dass wir immer in ähnlichen Situationen mit Angst oder Wut reagieren oder wenn sich Schmerzmuster bei uns einbrennen, bestimmen diese Muster unser Leben. Aber zum Glück ist alles veränderbar. Wir sind Chef über unsere Muster, über unser Leben und unser Schicksal. Es ist einfach alles eine Sache der Interpretation. Realität ist eben Ansichtssache.