Ich bin im katholischen Glauben erzogen worden, was in unserer evangelischen Gegend in Lüchow-Dannenberg, dem östlichsten Zipfel Niedersachsens, ein Kuriosum war. Jeden Sonntag ging es in die Kirche. Bis ich etwa 14 Jahre alt war. Ich stellte das nie in Frage. Ich stellte nie in Frage, warum Gott eigentlich so scharf drauf war, dass man ausgerechnet an diesen nicht gerade freudvollen Ort ging, warum alles immer Sünde war und warum Gott ausgerechnet das akkurat und sorgenvoll in seiner Höllenliste verzeichnete, was ich eigentlich gut fand und warum unbedingt ein Priester, der auch noch nie Sex hatte, nötig war, um nach getaner Beichte gnädigerweise die Absolution zu sprechen – aber das bitte schön erst nach 12 Vater Unser.
Warum sagte uns der Pfarrer, dass Katholizismus eigentlich die einzige Religion sei, die zu Gott führt und die anderen nicht und wer sind eigentlich die Nächsten, die wir lieben sollen wie uns selbst? Vermutlich nur die Nächsten, die der gleichen Religion angehören. Warum werden Andersdenkende verunglimpft, wo man doch als Christ selbst seine Feinde lieben soll? Warum wurden so viele Menschen im Mittelalter abgeschlachtet, die anders gelebt und gedacht haben, als es die Kirche wollte? Warum wird nach wie vor alles Weibliche und alles Körperliche aus der Kirchenlehre verbannt? Will Gott das nicht? Warum hat er uns dann so gestaltet? Und warum bekämpfen sich die Religionen dauernd?
Tja, warum das Alles? Weil es den Religionen mitnichten darum geht, den Menschen GOTT nahe zu bringen. Weil man dann nämlich rausfinden würde, dass keine Sau irgendeine Religion braucht. GOTT ist schließlich schon in jedem Menschen. Ja, auch in Dir. In Deinem Herzen. Das erzählt Dir nur keine Religion. Na ja, von mir aus noch der Buddhismus am ehesten, der aber auch über ein streng hierarchisches System verfügt, in dem Frauen nichts zählen, dessen tibetische Ausrichtung eine blutige Vorgeschichte hat und für dessen richtigen Glauben man ordentlich auswendig lernen muss, um sich auch nur halbwegs in der komplizierten Terminologie zurechtfinden zu können. Dabei hat der Buddhismus einen wahren Kern, wie alle Religionen, aber brauchen tun wir ihn trotzdem nicht, um GOTT nahe zu sein. Sorry, Dalai Lama.
Religionen dienen dazu, dass wir uns klein, unbedeutend und schuldig fühlen, dass wir unsere Eigenverantwortung abtreten und dass Kontrolle über uns ausgeübt werden kann. Sie dienen dazu, dass wir uns nur völlig unfrei, geradezu eingepfercht in einem teilweise grotesken Regelwerk bewegen können. Ob GOTT, das absolute, alles durchdringende Bewusstsein sich wohl wie der hinterletzte Spießer aufführen würde, wenn Schwule sich lieben oder wir masturbieren, wenn strenge Juden sich die Koteletten schneiden oder wenn Muslime aus Versehen in die falsche Richtung beten würden? Glaubst Du das?
Man zahlt ein Heidengeld, damit die Herren Pfarrer einem den Eintritt in das Himmelreich verschaffen können. Und viele, die überhaupt nicht glauben, was sie hören, zahlen immer weiter. Aus Angst. Könnte ja doch was dran sein und sonst kommt man vielleicht doch in die Hölle. Aber, noch nicht mal die Pfarrer glauben, was sie erzählen. Ich habe mal auf einer Geburtstagsparty eine evangelische Theologiestudentin, die Priesterin werden wollte, gefragt, ob sie an Engel glauben würde. Oder ob Jesus tatsächlich übers Wasser gegangen sei. Sie eierte mit ihrer Antwort rum und es stellte sich heraus, dass sie eigentlich rein gar nichts glaubte, was ihre Religion so erzählt. Es seien alles mehr so Gleichnisse, so Anleitungen. Ah ha.
Wenn ich sogenannten Christen erzähle, dass ich mich schon mit Engeln unterhalten habe, ernte ich bestenfalls ein müdes Lächeln. Wenn ich erzähle, dass ich nicht an GOTT glaube, sondern ihn/sie erlebe, stoße ich auf Unverständnis. Die meisten Priester, Rabbis, Pfarrer und Mullahs haben keinen blassen Schimmer von GOTT, weil sie ihn/sie leider nie erfahren haben. Sonst wären sie gar keine Anhänger irgendeiner Religion. Wahres WISSEN verträgt sich nicht mit Religion. Denn Glauben bedeutet einfach, dass man unhinterfragt etwas für bare Münze nimmt, was man selbst nicht besser weiß. Sicher gibt es auch Ausnahmen und ich möchte niemandem zu Nahe treten, der aufopferungsvoll seinen Glauben und wirklich christliche Ideale lebt. Aber es sind die Wenigsten. Und wo orthodoxer Glaube hinführen kann, sehen wir ja an Amerika. Er kann zu Fanatismus, Intoleranz und Krieg führen. Im Namen von Gott.
Deshalb sehen Leute wie Richard Dawkins den Atheismus und Wissenschaftsglauben als einzig annehmbaren Weg an, der aus dieser Misere führt. Aber wenn es doch GOTT geben würde? Wenn dieser/diese vielleicht ganz anders wäre, als es uns die Religionen weiß machen wollen? Wenn wir die Schöpfer unseres Lebens wären und nicht der ominöse, völlig willkürlich zuschlagende Zufall?
Jeder, der sich, also genau genommen sein Ego, mal in der Musik, der Kunst oder der Natur verloren hat, weiß doch eigentlich, dass er mehr als ein Gewebehaufen sein muss. Dass eine Seele existieren muss. Was die Seele ist, erklärt uns nur leider keine Religion. Wir müssen sie selbst erleben. In uns. Und das werden wir bestimmt nicht, wenn wir den Überbringer der liebenden Botschaft gefoltert unter scherzverzehrtem Gesicht am Kreuz anstarren müssen. Wenn wir uns immerzu darum kümmern müssen, dass alles bestimmt auch koscher ist oder dass das Kopftuch auch garantiert gerade sitzt oder dass wir, oh Schreck oh Graus, heute nur vier Mal gebetet haben. Das alles hält uns davon ab, bei GOTT zu sein. Bei GOTT-VATER-MUTTER. Der FREUDE, der LIEBE, dem MITGEFÜHL, dem SELBSTVERTRAUEN, der ABSICHT, der HINGABE. Denn das alles ist GOTT. Erfahre es. Befreie es. Denn Du bist ein Teil davon. Du bist DA.




