Beim Berliner Radiosender Fritz, den ich häufig während des Abwaschens laufen lasse, hörte ich gestern High Noon, die Sprechstunde am Nachmittag. Das Thema der interaktiven Talksendung war “Würdet Ihr gern Gedanken lesen können?”
Da sollte ich doch einfach mal anrufen, dachte ich, zückte den Hörer, rief an und kam postwendend durch. Ich vertrat den Ansatz, dass alle Menschen Gedanken lesen können sollten, weil wir so eine lügenfreie Welt und mit der Kommunikationsstruktur der Telepathie paradiesische Zustände vorfinden würden. Ob ich denn wolle, dass jeder sämtliche meiner Gedanken lesen könne, fragte mich die Moderatorin. Berechtigte Frage, antwortete ich, überlegte und erwiderte, dass es schon noch einen Privatsphärenschutz geben sollte.
Kurz danach fielen mir, wie es immer so ist, lauter Dinge ein, die ich lieber hätte sagen sollen, als das, was ich gesagt habe. Denn will ich tatsächlich andauernd irgendwelche gedanklichen Verbalisierungen hören? Tagein, tagaus Dauer-Gebrabbel? Der Ansatz stimmt schon, dass wir eine paradiesische Welt hätten, wenn sie lügenfrei wäre. Aber was ist überhaupt eine Lüge und wie sollte die Kommunikation genau aussehen?
Als Lüge betrachte ich eine bewusste Abweichung von Worten und Taten von dem, was das Ziel der Worte und Taten ist. Was telepathisch aufgenommen werden sollte, wäre, dass wir die Motivation hinter den Worten erspüren sollten. Das würde zur Folge haben, dass wir nicht mehr manipuliert werden könnten, weil wir hinter die Werbeslogans, hinter die Politikerstatements, hinter die Worte unserer Mitmenschen schauen könnten. Hinter dem Werbeslogan für die Impfung gegen Gebährmutterhalskrebs könnten wir dann lesen: ,Wir machen Euch Angst und ein schlechtes Gewissen, damit Ihr Eure Töchter flächendeckend impfen lasst, wir einen gigantischen Haufen Kohle verdienen und die Herren über Gesundheit und Krankheit bleiben. Höhö.´ Würde die Manipulation doch etwas einschränken. Wenn wir hinter den Terrorwarnungen den Wunsch nach Kontrolle der Bevölkerung und immer neue Kriegen sehen würden, wäre die Gefahr von Hirnwäsche gebannt. Und wenn wir in unserer nächsten Lebenswelt sehen könnten, dass unsere Familie eigentlich unser Bestes will, wenn sie sich der völlig falschen Worte bedienen, die uns sonst auf die Palme bringen würden oder wenn wir einfach wissen, dass wir bedingungslos geliebt werden, wäre das doch nicht so schlecht.
Wir könnten sehen, welche Produkte und Dienstleistungen zu unserem Wohl und welche aus reiner Gewinnsucht oder Schlimmerem kreiert wurden. Es gäbe keine Missverständnisse mehr, keine Propaganda, keine verdeckten Operationen, nur Harmonie und FRIEDEN. Wir würden sehen, dass Andere sich vielleicht deswegen daneben benehmen, weil sie traurig sind und sich schlecht fühlen. Wir würden eine ganz andere Art des MITGEFÜHLS erleben.
Seine Gedanken, seine private Welt könnte jeder weiter für sich behalten. Aber wenn wir in Form von Worten und Taten agieren, müsste unsere Motivation sichtbar werden. Das wünsche ich mir. Hätte ich mal gestern sagen sollen…




