Was gibt uns eigentlich das Gefühl von Sicherheit? Alarmanlagen? Patrouillierende Polizisten? Versicherungen? Das Rechtssystem? Oder Politiker, die uns bescheinigen, dass unser Erspartes und die Renten sicher seien? Es gibt ja eine ganze Industrie, die es nur aufgrund von Angst, äh, Entschuldigung, Sicherheit überhaupt gibt. Und die Errungenschaften dieser Industrie sieht man an immer mehr Stellen.

Ein Paradebeispiel sind Flughäfen, wobei die Sicherheitskontrollen ja doch eher ein mulmiges Gefühl aufkommen lassen, als dass sie Sicherheit vermitteln. Neulich wurde mir tatsächlich ein Glas Pesto abgenommen. Aber gut, ein Mitteleuropäer mit Trüffelpesto in der Tasche und zwei Kindern im Schlepptau ist schon verdächtig. Und wenn schon nicht so richtig verdächtig, dann ist es doch sicherer so.

Studierende, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben, werden sofort von Versicherungsagenten umschwirrt, sie werden abends angerufen und zig mal angeschrieben, ich habs selbst erlebt, um die großen Gefahren von Berufsunfähigkeit aufs Brot geschmiert zu kriegen. Ob das das Vertrauen in die eigene Gesundheit stärkt? Die meisten schließen dann so eine Versicherung ab, man kann ja nie wissen und anschließend leben sie sorgenfreier. Denn schließlich gibt es wirklich Menschen, die berufsunfähig werden, nicht besonders viele, aber immerhin, und die stünden ohne so eine Versicherung vor dem Nichts. Es könnte also jedem passieren. Wirklich? Zumindest in den eigenen Gedanken. Gefahren und Ängste sind dort omnipräsent. Durch eben solche Gedanken werden auch Kinder kaum noch ohne den wachsamen Blick der Eltern spielen gelassen, weil ja was passieren könnte.

Natürlich kann ich die Bedenken nachvollziehen. Es wird ja seit je her erfolgreich daran gearbeitet, dass Vertrauen=Blauäugigkeit=Dummheit ist. Absichern heißt die Devise. “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.” Okay, verurteilte Kinderschänder würde ich auch nicht unbedingt im Zeltlager unterbringen. Aber das richtige Maß ist doch entscheidend. Sollte wirklich das Militär im Inneren eingesetzt werden? Warum bloß? Ach, na klar, stimmt, im Falle von Terrorangriffen, denen wir doch ständig potentiell ausgesetzt sind. Denke gerade aber auch an die sogenannte Finanzkrise, die ja bei Verschärfung zu Unruhen führen könnte. Für die Wiederherstellung der Ordnung würde dann die Bundeswehr auf den Plan treten, deren ausgewiesene Stärke allerdings nicht in deeskalierenden Strategien bestehen dürfte. Panzer in Berlin. Der 17. Juni in der DDR lässt grüßen.

Kann man aber Sicherheit überhaupt im Außen herstellen? Im Knast wäre es dann ja eigentlich am Sichersten. In Isolationshaft, weil so auch noch die potentielle Gefahr durch die anderen Gefangenen ausgeschlossen wäre. Übertragen auf die Außenwelt könnte doch die Armee einfach jede Straße der Republik absichern. Eine ständige abendliche Ausgangssperre würde die abendlichen Verbrechen verhindern. Außerdem müsste Alkohol verboten werden, weil Straftaten sehr oft unter Alkoholeinfluss begangen werden, Autos dürften wegen des hohen Unfallrisikos überhaupt nicht mehr fahren und wir müssten in unseren Wohnungen immer einen Helm, Knie- und Ellenbogenschützer tragen. Schließlich passiert ein großer Anteil der täglichen Unfälle im Haushalt. Weiterhin müsste es 2789 weitere Verordnungen für die Sicherheit geben. Dann wäre es verdammt noch mal sicher. Außer vielleicht für den, der dagegen Einwände erhebt.

Oder könnte nicht vielmehr unsere Sicherheit im Inneren für ein sicheres Außen verantwortlich sein? Und damit meine ich nicht Sicherheit im Sinne von Unachtsam- und Unvorsichtigkeit. Aber sollten wir uns nicht ein für alle mal vom “es hätte doch aber,” und “da könnte aber passieren, dass” verabschieden und uns vergegenwärtigen, dass irgendwelche Unfall- und Risikostatistiken nichts mit unserem Leben zu tun haben müssen?

Ich bin überzeugt von dem Grundsatz WIE INNEN, SO AUSSEN. Das heißt, wenn wir Sorgen und Befürchtungen haben, können sich diese eher erfüllen, als wenn wir sicher davon ausgehen, dass uns nichts passieren wird. Einem Hochseilartisten passiert so gut wie nie was, weil er sich seiner Sache sicher ist. Gleiches gilt für sogenannte Traceure, die bei der Sportart Parcours traumwandlerisch wie in Matrix durch Häuserschluchten hopsen. Wirkt geradezu superheldenhaft. Sie fokussieren ihr Ziel, sind ganz im Moment und haben das nötige Selbstvertrauen. Obwohl es doch eigentlich irrsinnig gefährlich wirkt, ist die Zahl schwerer Verletzungen wohl gering.

Hier ein Video dieser faszinierenden Sportart:

Das mal als Beispiel dafür, zu was der Mensch fähig sein kann, wenn er innerlich sicher ist. Bisserl Training ist dabei natürlich auch nicht von Nachteil, durch das man die nötige Sicherheit erst erlangt. Und genauso verhält es sich mit allem. Vertrauen schafft Sicherheit. Wenn wir uns sicher sind, dass unser Erspartes sicher ist und wir es nicht abheben, bleibt das Finanzsystem erhalten. Ob das erstrebenswert ist, sei mal dahingestellt. Wenn wir sicher sind, dass wir in Zukunft nichts zu befürchten haben, so wird dies auch eintreten. Wenn wir tiefes Vertrauen hätten, bräuchten wir keine Altersvorsorge, keine Vorräte, wir würden sicher davon ausgehen, dass wir immer versorgt würden. Die Zukunft ist dabei lediglich ein Gedankenkonstrukt. Keiner hat sie je gesehen. Denn alles ist JETZT. Denken wir mit Angst an die Zukunft, formt sich der Moment, das JETZT, dahingehend um. Wie an der Börse. Unsere Gedanken, unsere Gefühle und Taten modellieren das JETZT. Ich werde also trotz Finanzkrise und wachsender Kontrolle meiner sicher sein, dass uns nach einer Zeit der Umbrüche eine goldene Ära erwarten wird. Eine Gewissheit, die ich JETZT fokussiere und lebe. Da kann doch nichts mehr schiefgehen. Auch ohne Altersvorsorge und Versicherung.