Innen wie außen. Eine kleine, aber sehr wahre Feststellung. Ich hatte immer so meine Probleme damit, dass jeder, der in meinem Leben irgendwie auftaucht, egal wie unangenehm oder nervig er sein mag, ein Spiegel meiner selbst sein soll. Ich konnte und wollte das nicht akzeptieren. Aber jetzt meine ich darauf gekommen zu sein, wann und wie genau uns ein Spiegel vorgehalten wird.

In meinem letzten Urlaub waren wir mit einem unserer engsten befreundeten Paare zusammen in einem Ferienhaus. Insgesamt war es unser dritter gemeinsamer Urlaub. Wir verstehen uns ganz ausgezeichnet, es ist wahnsinnig lustig und angenehm. Aber mit einem Aspekt hatte ich immer so meine Probleme. Die Freundin von mir hat etwas, was wohl in Fachkreisen Schwellenangst genannt wird. Wenn irgendetwas Bestimmtes anliegt, zieht sie es endlos in die Länge bis sie es angeht, macht tausend andere kleine, aus meiner Beobachtung nicht so sinnvolle Dinge. Und wenn ich so sehe, dass sie, bevor wir irgendwo hinfahren können noch duschen muss und sie dies und jenes und jenes und dieses macht, nur nicht duschen, merke ich in mir den Groll und die Angespanntheit hochsteigen. Und genau dieser Umstand, dass in mir ein negatives Gefühl aufsteigt, ist der Spiegel!

Wenn ich keine Resonanz mit ihrer Herangehensweise hätte, würde ich keine Anspannung verspüren. Das ging mir auf, als ich über dieses Phänomen nachdachte. Und dann ging mir auf, dass ich ebenso (noch) Schwellenangst habe. Ich schiebe wichtige Dinge so lange vor mir her, bis es gar nicht mehr geht und ich sie machen muss. Ich brauche ewig, um in den Pool oder ins Meer zu gehen. Halsüberkopf einfach hereinzuspringen habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Jedes Mal, wenn ich denke, hier eigentlich mal wieder schreiben zu müssen, mache ich ewig lang irgendeinen nutzlosen Scheiß, nur schreibe ich einfach nicht. Und das Kuriose ist, dass es mir, jedes Mal wenn ich es tue, sehr leicht fällt. Ich habe es in meinem ganzen Leben ich es noch nie bereut, ins Wasser zu gehen, im Gegenteil, ich fand es dann immer toll, spare es aber (noch) bei jedem zweiten Seeausflug mit meinen Kindern dennoch aus. Ist doch verrückt! Ebenso hatte ich es früher, dass ich geradezu messiehaft war, was nicht daran lag, dass ich nichts wegwerfen konnte, sondern dass ich es einfach nicht gemacht hab. Weil das Wegbringen von Müll, das Aufhängen von Kleidung eine notwendige Schwelle war, die zu überspringen war! Und das hab ich einfach nicht gemacht! Als einmal meine Eltern in meinen Jugendzeiten zwei Wochen im Urlaub waren und ich, hurra, zwei Wochen alleine zu Hause, standen in meinem Zimmer 14 dreckige Teller. Und auch Meditationsübungen, die jedes Mal wirklich großartig sind, mache ich (zur Zeit) oft einfach nicht, sondern verschwende meine Zeit mit irgendwelchem völlig nutzlosen Internetsurfen oder Fernsehen. Jede Beschäftigung, die wirklich sinnvoll ist, schiebe ich (noch) vor mir her.

Liebe Tina, ich danke danke danke Dir dafür, dass Du mir diese Einsicht geschenkt hast. Die Einsicht meiner Probleme, die ich ohne Dich so nicht bekommen hätte und die Einsicht, was es mit dem Spiegel genau auf sich hat. Wir kriegen durch unsere Emotionen einen Spiegel vorgehalten. Immer dann, wenn wir wegen einer Situation, eines Verhaltens oder eines Menschens negativ empfinden, hat das damit zu tun, dass wir eine Resonanz dazu haben, also gleiches in uns tragen. Eigentlich großartig, so weiß man, welche Themengebiete man zu erlösen hat. Und wenn wir schonungslos mit uns ins Gericht gehen und nicht die Verantwortung für unsere Aggression oder miese Laune auf andere schieben, kommen wir auch weiter. Weiter auf unserem Weg, ein bewusster, disziplinierter und integerer Mensch zu sein.