Stell Dir vor, Du hast superwichtige Informationen und keiner will sie hören. Das kann wirklich frustrierend, aber auch enorm lehrreich sein. Denn einfach den Wissenden spielen und Anderen Infos vor den Latz zu knallen, auf dass sie auch klar sehen mögen, funktioniert nicht. Das musste ich in den vergangenen Jahren zigfach schmerzhaft feststellen.

Ich dachte in der Vergangenheit, dass Fakten für sich sprechen müssten. Und ich dachte, dass meinen Erlebnissen Glauben geschenkt wird, weil ich doch schließlich noch nie irgendwelchen völligen Mist erzählt habe - zumindest dann nicht, wenn es mir ernst war. Aber Fakten kommen gegen Glauben nicht an und Erlebnisse bleiben so lange nur die Eigenen oder werden als Hirngespinste angesehen, bis sie auch von anderen erlebt werden. Ein Dilemma. Aber auch eine spannende Aufgabe, die ich in letzter Zeit tatsächlich zu lösen beginne! Denn im Gegensatz zu früher begehe ich verschiedene Fehler nicht mehr.

Ein ordentlicher Griff ins Klo gelang mir immer dann, wenn ich aufgeregt war. Dies geschah, wenn andere Dinge sagten, die für mich offenkundig falsch waren. Ich folgte den Ausführungen dann immer mit wild pocherndem Herzen eine Weile, konnte dann aber als mitteilungsbedürftiger Mensch nicht anders, als mit meiner Wahrheit rauszuplatzen. Was ich damals nicht wusste, war, dass meine innere Aufregung nach außen wie Aggression wirkte. Tja, mit Aggression und übertriebenen, unangenehmen Eifer hat man wohl noch niemanden von einer anderen Meinung überzeugen können. Schon gar nicht, wenn man aggressiv von LIEBE und ewigem Frieden berichtet. Glücklicherweise hat mich meine Frau auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Damals war´s natürlich unangenehm, keiner will in dem Moment gerne auf Schwächen hingewiesen werden, aber rückblickend bin ich äußerst dankbar dafür.
Kardinalsfehler Nummer Zwei war, dass ich einfach gesagt habe, dass ich nicht glaube, sondern weiß. Ich fand immer, dass es einen Unterschied darstellt, ob man glaubt, was Menschen oder Bücher einem erzählen oder ob man innerlich erfährt und intuitiv weiß. Das ist auch sicher so, aber es kommt wirklich nicht gut an, das so zu erzählen, weil es schlicht und einfach arrogant, selbstherrlich und abwertend gegenüber der Meinung des Gegenübers wirkt.

Fehler Nummer drei war, dass ich diese wichtigen Themen wie in einer Diskussionsrunde behandelt habe. Und wie in einer Diskussionsrunde ging es in erster Linie darum, Recht zu haben. Auf diesem Wege inspiriert man seinen Gegenüber nicht. Man erzeugt lediglich Abwehr und den Impuls, irgendwelche Gegenargumente zu bringen. Diskussionen führe ich nicht mehr, weil sie zu nichts führen.

Und Fehler Nummer Vier war, dass mich gegensätzliche Meinungen bedrohten. Klar, fiese Propaganda versetzt mich immer noch nicht in Entzücken, aber immerhin löst sie doch, wenig Unwohlsein aus. Erst wenn wir uns bedroht fühlen, teilen wir aus.

Jetzt schicke ich mich an, aus diesen Fehlern zu lernen. Die letzte beiden Wochenenden führte ich Gespräche mit andersdenkenden Freunden, so wie eigentlich fast alle meine Freunde anders denken als ich, die trotz aller Kontroversen doch vergleichsweise harmonisch verliefen. Na ja gut, ein lieber Freund wird da vielleicht anderer Meinung sein, aber wenn man mal den Umstand miteinbezieht, dass das Gespräch um halb sieben morgens nach einem feuchtfröhlichen Männerabend geführt wurde, war auch dieses harmonisch.

Dies hatte mehrere Gründe. Erstens war ich nicht aufgeregt, sondern sprach ruhig und bedacht. Außerdem habe ich mir angewöhnt, immer vorwegzuschicken, dass es meine Meinung ist, die ich äußere und dass ich andere Meinungen respektiere. Es ist auch tatsächlich so, dass ich es höchst ehrenwert finde, wenn man nicht glauben kann, dass Menschen so etwas Irrsinniges tun können, wie ihre eigenen Landsleute beim elften September zu opfern. Ich kann es zwar nicht so ganz nachempfinden, dass sich auch aufgeklärte und politisch engagierte Menschen keinen Argumenten zu diesem Thema stellen können, aber sei´s drum. Dieser Umstand stellt keine Bedrohung mehr für mich da und ich finde auch keinesfalls wie andere Blogger, dass es sich bei den Verschwörungsleugnern um einen Haufen Idioten handeln muss. Wenn wir das denken, verändern wir gar nichts, sondern schaffen nur Aggression.

Wenn ich argumentativ nicht mehr weiterkomme, benutze ich folgenden Trick. Ich sage, dass wir einfach mal ein Gedankenspiel machen. Wenn es rein hypothetisch so wäre, dass z.B. der Lissabon Vertrag nur dazu verfasst wurde, um letztendlich einen faschistischen globalen Staat zu schaffen und wir würden davon überzeugt sein, was würden wir tun? Was würdest Du tun? Durch solche Gedankenspiele geht das Denken Vieler überhaupt erst in diese Richtung. So lässt sich was bewirken.

Und der Wichtigste Punkt, den mir auch ein Freund bescheinigte und über den ich sehr glücklich bin, ist, dass ich mehr und mehr autenthisch vorlebe, was ich sage. Denken und Handeln wird langsam eins. Wenn wir FREUDE und LIEBE und MITGEFÜHL vorleben, wird sich diesem Umstand keiner entziehen können. Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt sehen wollen. Dann ist es eigentlich auch völlig wurscht, ob wir irgendetwas mit dieser ganzen Verschwörungskiste am Hut haben.