Seit Montag geht die Schule wieder los. Und damit auch die erste Schulkrise meines Sohnes, der in die erste Klasse geht. Sein verzweifeltes und angsterfülltes Weinen am Sonntag Abend ging durch Mark und Bein. Die Schule sollte natürlich im Idealfall ein Ort sein, zu dem jedes Kind voller FREUDE geht, weil ihm dort auf angenehme Art der Spaß am Lernen vermittelt werden würde. Tja, so ist es nur leider nicht immer. Unsere Kinder gehen auf eine staatliche Schule, die allerdings um Längen fortschrittlicher ist, als meine Frontalunterricht-Grundschule es war: Freiarbeit, Montessori-Materialien, klassenübergreifender Unterricht. Aber der alte Geist weht noch unter Anderem in Form von etwas gestrigen “Erzieherinnen” durch die Räume.

Und hier setzt das eigentliche Thema dieses Textes an. Nämlich dort, wo Probleme gelöst werden können. Mein Sohn zählte Sonntagabend weinend auf, was er alles so schrecklich findet: Die Erzieherin nennt ihn Baby, ein Junge ärgert ihn, mit einem anderen hat er Streit und die Lehrerin ist sowieso doof. Meiner Frau blutete das Herz. Und an dieser Stelle setzt bei ganz vielen Menschen der “Och, je, Du Armer-Modus” ein. Das Mitleid-Haben. Natürlich sollte man ein Gefühl dafür haben, wie es ist, wenn jemand leidet und dieses nicht negieren, aber es bringt nichts, wenn man für längere Zeit mitleidet. Damit ist niemandem geholfen. Geholfen wird dann, wenn man Lösungen für die Probleme sucht. Und da mir von der Erzieherin berichtet wurde, dass sie wiederholt meinen Sohn als Baby bezeichnet hatte, wahrscheinlich in Folge falsch verstandener Erziehung, konnte ich genau da ansetzen. Ich sehe es für mich als Herausforderung an, meinen Standpunkt klarzumachen, eine Lösung eines Problems zu erreichen und dabei Verständnis bei meinem Gegenüber zu erreichen. Dafür ist es unerlässlich, den richtigen Ton zu finden.

Wenn wir entrüstet und wütend vor jemanden treten würden, den wir des Unrechts anklagen, werden wir nichts in der Sache erreichen, sondern lediglich, dass dieser denkt, dass wir schrecklich sind. Es ginge dann nicht mehr um die Sache des “Baby-Sagens”, sondern nur noch um den Konflikt von Erzieherin und keifendem Vater. Wenn wir aber bestimmt, ehrlich, verständnisvoll und freundlich sind, werden wir erreichen, dass der Inhalt unserer Rede transportiert wird und nicht unser Unmut. Ich sammele mich vor solchen Gesprächen immer, konzentriere mich auf ein inneres Strahlen, gehe in die LIEBE und trage dann vor, was mir auf dem Herzen liegt. Und ich erreiche so immer Verständnis. Die Erzieherin war zwar verwundert darüber, dass sie meinen Sohn mit “Baby” erniedrigt und verletzt hat, aber sie gelobte, es nicht mehr zu tun. Sie war nicht sauer auf mich, unser Verhältnis wurde intensiviert und sie war nach Angabe meines Sohnes schon netter zu ihm. Dem Jungen, der meinen Sohn immer ärgert, bat ich auch lächelnd und bittend, es nicht mehr zu tun. Und auch er versprach es mir. Aber nicht aus Angst, wie in dem Fall, in dem ich geschimpft hätte, sondern vielleicht doch aus Verständnis. Soweit man das von einem sechsjährigen Jungen erwarten kann.

Der Ton macht wirklich die Musik. Wenn man den Mitmenschen freundlich aber bestimmt gegenüber tritt, kann man alles erreichen. Das geht mir im Amt so, wo ich schon einige Unterlagen vergessen hatte, aber sie mir doch lächelnd den benötigten Stempel aufdrückten. Für jemanden auf dem Amt scheint es sehr wohltuend zu sein, wenn jemand sie freundlich und mit Respekt behandelt. Das ging mir mit meiner überaus garstigen Hausverwalterin so, auf die ich mich meditierend vorbereitet habe, weil sie tatsächlich den Impuls auslöst, sie umgehend erwürgen zu wollen. Aber ich ließ nichts von ihrer Garstigkeit an mich ran, bezog es nicht auf mich und merkte im Laufe des Gesprächs, dass sie zunehmend netter wurde. Und als ich ehrlich sagte, dass die Hausverwaltung sich glücklich schätzen kann, so eine hartnäckige, strenge Verwalterin zu haben, war sie außerordentlich gebauchpinselt. Man muss sich klar machen, dass Menschen, die sich schrecklich verhalten, niemals freundlichen Menschen begegnen, weil sie sich ja nun mal schrecklich verhalten, was bei ihrem Gegenüber gleiches auslöst. Solche Leute kennen also nur schlecht auf sie reagierende Menschen und denken, alle sind doof, merken aber gar, dass es an ihnen liegt.

Ich schreibe das hier nicht, um mich zu beweihräuchern. Du kannst mir glauben, dass ich so gut wie jeden Morgen durch Zeitdruck meine Kinder mit dem völlig falschen Ton antreibe und natürlich auch die entsprechende Reaktion ernte. Ich beobachte einfach nur, dass alles mühelos läuft, dass alle Probleme einfach gelöst werden können, wenn wir den richtigen Ton anschlagen. Wenn wir uns auf ein scheinbar unangenehmes Gespräch mit Vorgesetzten, Ordnungshütern oder Familienmitgliedern vorbereiten können, sollten wir es tun. Wir sollten uns innerlich sammeln, innerlich strahlen und das Problem auf angenehme Art und Weise lösen, ohne den jeweiligen Menschen anzuklagen. Ich habe bisher noch kein Problem erlebt, das nicht auf diese Weise gelöst wurde. Und wenn das nicht funktionieren sollte, könnte man ja immer noch streng werden…