Man mag von Michael Moore halten, was man will, aber Gleichgültigkeit erzeugt er nicht. In Verschwörungsforen wird er als Handlanger der Elite angeprangert, weil er in Bezug auf den 11. September nicht Klartext redet, andere halten ihm seinen selektiven Stil vor und die konservative Seite brandmarkt ihn als geistigen Brandstifter. Ich halte zumindest Teile seiner höchst unterhaltsamen Filme für wichtig und richtig. Das stellte ich gestern wieder fest, als ich mir Bowling for Columbine auf 3sat zu Gemüte führte. Die Doku geht der Frage auf den Grund, warum es in den USA so exorbitant viele Morde gibt, die mit Schusswaffen verübt werden. Aufhänger ist der verheerende Amoklauf in der Columbine Highschool in Littleton, einem eigentlich harmlos scheinenden Vorort. Und Moore kommt durch seine Recherchen zur folgenden, für mich folgerichtigen Ansicht: Nicht die Anzahl der Waffen sei es, die die USA so gewalttätig machen würden, denn in Kanada gebe es nicht minder viele Waffen und dort würde schließlich so gut wie nie gemordet, sondern es sei vielmehr die Angst, die die Gewalt verursachen würde. Die Angst ließe die Menschen in den Vororten, die eigentlich völlig sicher seien und von Jahr zu Jahr sicherer würden, ein wahres Waffenarsenal zu ihrer Verteidigung anlegen. Und diese Angst würden Medien und Politiker schüren. Niemand sei nirgendwo sicher. Das ist die allabendliche Botschaft.

Was machen verängstigte Menschen? Sie geben Verantwortung ab, suchen nach Schutz, trauen niemandem. Statt innerem Vertrauen nehmen sie entweder selbst die Waffe in die Hand oder verlangen dies von ihrer Regierung oder der Polizei. Sie denken, so könnten sie sicher sein, was aber nie der Fall sein wird, solange sie von Angst dominiert werden. Ich löste in der Vergangenheit regelmäßig einen Sturm der Entrüstung aus, wenn ich jemandem meine Ansicht mitteilte, dass Angst niemals sinnvoll wäre. Aber Angst würde uns doch davor schützen, von wilden Tieren gefressen zu werden oder wagsalsige, lebensgefährliche Aktionen zu unternehmen, wurde mir erwidert. Aber nicht die Angst verhindert doch, dass wir beispielsweise über eine Autobahn laufen, sondern das Wissen, dass es für uns vermutlich nicht gut ausgehen würde. Wir wissen, dass in gewissen Situationen Vorsicht geboten ist. Das ist entscheidend. Die Angst lähmt uns doch, macht uns zu einem Reh im Scheinwerferlicht. Sie ist doch ausschließlich ein unangenehmes Gefühl. Finde ich zumindest. Viele lieben es ja, sich im Kino kräftig zu gruseln, also zu ängstigen. Ich nehme an, weil Angst ein sehr starkes Gefühl ist und sie sich so intensiv erfahren, weil es ihnen auf anderem Weg schwer fällt. Außerdem gruseln sie sich aus der Gewissheit heraus, dass ihnen nichts wirklich passieren wird. Aber wenn wir das Vertrauen hätten, dass uns generell nichts passieren wird, könnten wir uns doch über jegliche Angst freuen und ihr ins Gesicht lachen. Ist natürlich alles andere als einfach. Wäre aber höchst wirksam.

Angst hat jeden von uns im Klammergriff und lässt, während wir sie fühlen, keine anderen Gefühle zu. Angst hält uns davon ab, ein glückliches Leben zu führen. Angst vor dem Tod, vor Terroristen, vor Fremden, vor Ungewissem, vor Herausforderungen, vor dem sich Fallen lassen, vor der LIEBE. Dies alles verhindert, dass wir einfach SEIN können. Wird uns deshalb von Medien und Politikern dauernd Angst gemacht?

Ich hatte massenhaft Ängste. Vor Krebs, vor Peinlichkeit, vor Wasser, vor Spinnen, vor körperlicher Bedrohung. Ich gehe diese Ängste an. Im Geistigen und in Form von Taten. Angst vor Krebs hat man, wenn man sich nicht traut. Wenn man Angst davor hat, etwas loszulassen. Wenn man sich nicht LIEBT. Damit diese Ängste sich auflösen, empfehle ich die gute alten und immer wieder NEUE Formel ICH GEHE IN RESONANZ ZUR BEDINGUNGSLOSEN LIEBE. Anschließend kann man zu sich sagen ICH LIEBE ALLES WAS ICH BIN oder ICH LIEBE DIE URSACHEN MEINER ÄNGSTE. Natürlich sind auch viele andere Worte möglich, die Dir gefallen. Entscheidend ist, dass wir LIEBEN. Dann können Ängste gar nicht anders, als sich aufzulösen. Und einmal aufgelöst, verschwindet auch die Resonanz für neue Ängste. Das kann ein langwieriger Prozess sein und ich bin auch nicht der Disziplinkönig, aber wenn sich etwas in mir löst ist es ergreifend, wunderschön und nachhaltig. Angst vor Krankheiten habe ich nicht mehr im Geringsten. Wenn eine kommt, betrachte ich sie als Herausforderung und gehe ich sie an.

Einen kleinen Erfolg zur Bewältigung meiner Ängste konnte ich gerade in Konstanz erreichen. Ich sprang überhaupt erst zum dritten Mal in meinem Leben mit Köpper vom Startblock ins Wasser. Die vorherigen zwei Male waren im Sportunterricht erzwungen und ein Horror für mich. Aber diesmal war es gar nicht schlimm. Eher eine Befreiung. Davon ganz euphorisiert sprang ich gleich noch zum ersten Mal in meinem Leben vom 5-Meter-Turm. Allerdings mit dem Fuß zuerst. Das Turmspringen wird wohl nicht meine Passion werden, aber ich habe die Herausforderung gemeistert. Es fühlte sich sehr gut an. Anschließend.

Die Befreiung von Angst, im Kleinen wie im Großen ist ein Schlüssel zum Glück. Ein Schlüssel zur Selbstbestimmtheit, zum Vertrauen, zur Befreiung der LIEBE, zur Verbindung mit ALLEM. Und ich meine nicht, dass wir die Angst verdrängen sollten. Wir sollten sie anschauen, sie annehmen, uns ihnen stellen und sie LIEBEN.