Weißte, welche Eigenschaft mir nicht in die Wiege gelegt wurde? Disziplin. Und damit meine ich nicht stumpfen Gehorsam oder gleichförmigen Stechschritt. Mit DISZIPLIN meine ich die Anstrengung, dafür etwas zu tun, dass Du Deine Ziele erreicht. Aber dafür muss man erst mal Ziele haben.

Früher hatte ich, hm mal überlegen, … keine. Ich lebte in den Tag hinein, schlief bis zum Mittagessen oder darüber hinaus. Schlängelte mich gekonnt durch den Hindernisparcours meines Zimmers - an überquellenden Aschenbechern, leeren Pizzapackungen, dreckigen Unterhosen und Wollmäuseherden vorbei, um schließlich wieder vor meinen Fernseher zu plumpsen, der rund um die Uhr lief und mich mit Game-Shows, Serien und Sport geschickt davon abhielt, über mich und mein Leben nachzudenken. Ach ja, zur Uni ging ich auch manchmal. Das machte ich echt - solange es nicht zu früh oder ich zu verkatert war oder leider gerade keinen Bock hatte. Was schon dann und wann mal vorkam. Soziologie und Sozialpsychologie konnte man mit erstaunlich geringem Aufwand zum Abschluss bringen.

Diszipliniert war ich nur darin, mein tägliches Pensum Zigaretten und Fernsehen zu packen. Und wenn man es als diszipliniert ansehen würde, der betrunkenste und peinlichste Partygast zu sein, so schaffte ich immerhin das mit Bravour.

Nur dann kam ja das Erlebnis mit dem Tee. Und vorher noch meine tatsächlich erste erfüllte Liebe im nicht mehr ganz so zarten Alter von 25. Das Beides krempelte zwar nicht postwendend mein ganzes Leben um, aber es führte dazu, dass ich langsam zu reflektieren begann. Als erstes verabschiedete sich das Rauchen, dann viel später das übermäßige Trinken. Früher ging ich mit meinen zahlreichen Schwächen einfach so um, dass ich sie zu Stärken umfunktionierte und sie cool fand. So wurde ich unangreifbar und konnte mich auch noch in meinen Unzulänglichkeiten suhlen, ohne sie anzugehen.

Aber wenn Du anfängst Dein Leben spirituell auszurichten, werden die „starken“ Schwächen einfach zu dem was sie sind, nämlich Schwächen. Du lernst, sie zu erkennen und anschließend zu beseitigen. Wenn Du es willst. Aber will man es überhaupt? Schwächen werden ja immer so schön als „menschlich“ verpackt. Und wollen wir unsere Menschlichkeit aufgeben?

Dass Menschen faul, intrigant, neidisch, schadenfroh, erbarmungslos oder eben undiszipliniert sein können, ist mir bekannt, aber das heißt nicht, dass man es dabei belassen sollte.

Also gehe ich, mit Dir als Zeuge, meine Undiszipliniertheit an. Denn jetzt muss ich täglich an der Seite arbeiten und dass ohne, dass mir jemand in den Arsch tritt. Nur so machte ich in der Vergangenheit überhaupt irgend etwas. Aber jetzt ist es allein meine Sache. Ich könnte auch weiter fernsehen, was mir immer noch gefällt, zumindest manches oder mit anderem Nutzlosem meine Zeit verdaddeln. Aber jetzt habe ich Ziele und ich werde diese Ziele umsetzen:

  • Regelmäßige, möglichst tägliche Texte für Dich
  • Tägliche Meditation und INNIGE Gebete (natürlich keine vorgegebenen der Kirche)
  • Ein spirituelles Internet-Comedy-Format, das ich wöchentlich aufnehmen werde
  • Die Umsetzung eines Drehbuchs, das mir im Kopf rumgeht
  • Ein spirituell-aufklärendes Comedy-Bühnenprogramm
  • Die Schöpfung einer revolutionären Bewegung, die LIEBE lebt

Puh, geschrieben sieht das ganz schön viel aus. Da hab ich mir aber was vorgenommen.

Ach ja, den Haushalt muss ich auch noch machen, bin nämlich als Hausmann tätig, was mir auch nicht gerade leicht fällt, wie Du Dir denken kannst. Musste nach meinem Auszug zu Hause überhaupt erst mal lernen, auch nur ein Brot zu schmieren oder einen Teller in den Schrank zu stellen. Und meine beiden Jungs muss ich auch noch in Kindergarten und Schule bringen, versorgen und bespaßen.

Ich will jetzt kein ,oh, der arme Gerald, was der alles machen muss´, erheischen, aber mein derzeitiger Tagesablauf stellt doch einen geradezu exponentiell gestiegenen Aufwand zu meinem vorherigen Schluri-Leben dar. Klar habe ich auch schon gearbeitet, aber da gebot sich die Disziplin einfach aus der Aufgabenstellung. Aber jetzt ist alles, was ich mache, freiwillig. Und ich mache es trotzdem. Und damit zeige ich Dir, dass Du Dich auch nicht mit Deinen Schwächen zufrieden geben musst. Gehe sie an. Transformiere sie. Du musst nur die Absicht und die Überzeugung haben, das zu tun.

Genauso stellt es sich nämlich im Großen dar. Sag nie, dass Deine Träume für eine andere, friedliche Gesellschaft unrealistisch seien oder dass irgendwas nicht zu ändern sei. Unrealistisch bedeutet nur, dass etwas auf Grundlage des Bestehenden so ist. Ändere das Bestehende! Du kannst alles ändern, wenn Du es wirklich willst. Und das ist keine Motivationstrainer-Plattitüde. Es ist, wie es ist. Glaube daran. Oder, noch besser, WISSE es!