Meine Fastenkur endete jäh. Ein sehr lieber Freund kündigte seinen Besuch in der Hauptstadt an; inklusive ordentlichem Ausgehen. Da traf ich kurzerhand die Entscheidung, die Kur vorzeitig zu beenden und ihm und mir eine Freude zu machen. Es ist gelungen.
Ulkigerweise sah ich nur wenige Minuten nach meiner Entscheidung wieder zu essen, eine wirklich erhellende Diskussion übers Essen im Fernsehen. Diese Synchronizität aber immer auch! Es handelte sich um das Nachtcafé mit Talkmaster Wieland Backes, dessen Runde das Thema “Der Kult ums Essen” besprach. Und worüber herrschte wirklich Einhelligkeit? Dass Nahrungsmittel eine Wertschätzung erfahren müssen, um ihre ideale Wirkung erzielen zu können. Dass die Motivation, mit der ich Nahrung behandle, Auswirkungen auf die Wirkung der Nahrung habe. Großartig, oder? Es heißt ja nichts anderes, dass LIEBE, denn Wertschätzung ist ein Teil der LIEBE, eine positive Auswirkung auf den Informationsgehalt von Nahrung hat. Dass die Motivation, mit der Essen hergestellt wird, in der Nahrung steckt und wir genau diese Motivation aufnehmen.
Diesem Umstand verdankt der Gast Ralf Brosius sein Leben. Todgeweiht mit dem aggressivst möglichen Lungenkrebs lehnte er die angeratene Chemo-Therapie ab und stellte seine Nahrung radikal um. Täglich trinkt er Wildkräuter-Obst-Shakes, isst ausschließlich Rohkost und ist komplett krebsfrei. Seine Freunde bescheinigen ihm, dass er um Jahre jünger aussieht als früher und seine Lebensfreude spiegelt sich eindrucksvoll in seinem Gesicht. Tja, ich glaube ja auch, dass lebendige Nahrung, also rohe, ungekochte, unbehandelte Lebensmittel die gesündeste Ernährung darstellen, auch wenn dann gleich alle mit ihren Eiweiß und Omega 3-Einwänden kommen werden. Aber, gelebte Empirie ist doch der eindrucksvollste Beweis. Und Vegetarier hat man bis vor kurzem auch vor Mangelerscheinungen gewarnt, was sich als Unsinn herausgestellt hat. Mir ist auf jeden Fall vollkommen plausibel, dass lebendige, freudige und liebende Nahrung das perfekteste Ergebnis für Körper und Geist erzielt.
Aber die Talkrunde eröffnete noch ein weiteres spannendes Feld, nämlich eine vollkommen berechtigte und offene Kritik an multinationalen Food-Konzernen. Was die für eine verheerende Auswirkung für die Welt haben, ist meist gar nicht so klar. Angefangen bei dem Umstand, dass die Motivation bei der Herstellung im freundlichsten Fall hemmungsloser Profit, im schlechtesten Fall geplante Zerstörung von Gesundheit ist, über die diversen Aroma-, Konvervierungs-, Farbstoffe, Geschmacksverstärker und minderwertigen Zutaten, wie der Autor Hans-Ulrich Grimm darstellte, deren negative Wirkung wohl doch klar sein sollte, betreiben sie auch noch hemmungslose Plünderung in den ärmsten Ländern, die genau dadurch überhaupt arm sind. Billiges Massentierfleisch und eigentlich sämtliche industrielle Nahrung wird auf Kosten der ärmsten Länder auf unseren Markt geschwemmt. Derart geschwemmt, dass auch noch 40 %, so die Angabe von Jan Kummerfeld, weggeschmissen wird. Jan Kummerfeld ernährt sich von den vielen guten Lebensmitteln, die von den Supermärkten weggeschmissen werden, weil sie nicht mehr so hübsch aussehen oder das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, was wohl zumindest zum Teil auf ein viel zu frühes Datum festgelegt wird, damit die Supermärkte schneller wieder einkaufen müssen. Ekelhaft. Mir wird auch immer ganz übel, wenn ich abends beim Bäcker vorbeigehe und sehe, wie eine komplette Auslage in die blaue Tüte wandert. Und die Rohstoffe wurden in Afrika für ein Appel und ein Ei eingekauft und die Kleinbauern haben dafür ihrerseits nichts zu essen. Dabei würde das Essen auf diesem Planeten 7 Milliarden Menschen ernähren können. Und wahrscheinlich könnte die doppelte Menge satt gemacht werden, wenn nicht der Großteil des Getreides zur Fütterung von Vieh verwendet werden würde.
Auf dem Bloggerkongress machte William Engdahl klar, dass ein Instrument für die Weltherrschaft die Kontrolle über die Nahrung sei. Ich teile diese Ansicht. 90% des Welthandels mit Nahrung wird unter ganzen drei bis sechs internationalen Großkonzernen aufgeteilt, wie Nestlé, Procter und Gamble oder Unilever. Und diese Nahrung, das wurde ebenfalls klargestellt, hat mit Lebensmitteln wenig gemein. Es sind Produkte, die Mägen stopfen und süchtig machen. Und das Perfide ist, dass sie billig sind. Nicht so wohlhabende Menschen haben gar keine Wahl, als sich ausschließlich von krankmachendem Mist zu ernähren. Und die Zielgruppe für diese Produkte wächst stetig, denn der Mittelstand wird ja mit allen Mitteln zerstört. Studien zum Zusammenhang von industrieller Nahrung und Krankheit gibt es freilich keine, wer soll diese Studien auch finanzieren? Aber, so stellte Hans Ulrich Grimm klar, könne man an Inselgruppen in der Karibik sehen, dass Krankheiten wir Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfälle weitgehend unbekannt waren, bis die industrialisierte Nahrung Einzug hielt. Für die negativen Folgen steht dann ja gleich die Pharmaindustrie bereit.
Ich LIEBE Essen. Ich LIEBE es zu kochen. Es macht mich glücklich. Ich bin sehr guter Hoffnung, dass wir den wahren Wert der Information Nahrung begreifen werden. Ich werde mich künftig mehr mit Rohkost auseinandersetzen. Nur nicht ausschließlich, weil es mir dann doch noch zu anstrengend ist. Immer mehr Menschen legen wert auf gute Lebensmittel. Immer häufiger sehe ich beispielsweise gute Salze auf dem Tisch stehen, die eine völlig andere Wirkung als dieses industrielle, manchmal auch noch mit krankmachendem Fluor versetzte Rieselpulver haben. Leider ist dieses Privileg im Moment noch Menschen vorbehalten, die es sich leisten können. Wenn aber erst mal die Kontrolle des Geldes den Unterdrückern aus den Händen gerissen ist oder sich Komplementärwährungen wie Rheingold weiter ausgebreitet haben, können wir uns dem “Leben” in den Lebensmitteln zuwenden und die Produkte, die vorgaukeln Lebensmittel zu sein, getrost vergessen.




