Tag Vier meiner Fastenwoche ist angebrochen  und ich fühle mich ein bisserl durch den Wind, aber ansonsten … BLENDEND! Tatsächlich hielt schon am zweiten Abend eine Klarheit, eine geistige Frische Einzug, die ich mit FREUDE empfangen habe.

Natürlich ist das Ganze auch etwas schräg, wenn ich mir bewusst werde, wie oft ich mir sonst gedankenlos irgendwas in den Mund schiebe. Schon merkwürdig, das jedes Mal bewusst nicht zu tun. Weiterhin werden die Gerüche zunehmend stärker. Als Fastender habe ich den Eindruck, dass überall Essen feilgeboten wird. Überall riecht es nach Keksen, Käse, Wurst, Gebratenem, Asia, Fisch, Döner, Burger, Kuchen und so weiter und so weiter. Andauernd sehe ich Menschen, die sich gerade irgendwas schmecken lassen. Und mittendrin ich. Merkwürdig, aber schön, wenn die Entscheidung bewusst getroffen ist.

Sozial sind auch Veränderungen festzustellen. So schlug ich gestern eine Einladung zum Biertrinken aus und auch zu einer Einladung zum Essen musste ich nach vorheriger Zusage dann doch anmerken, dass ich vielleicht doch ein eigenwilliger Gast sein würde. Ich mit meinem Wasserglas. Für Andere scheint es manchmal noch eigenartiger zu sein als für mich, aber meine Freunde wundern sich bei mir eigentlich über nichts mehr.

Interessant ist, dass das Hungergefühl, das schon machmal da ist, durch die bewusste Entscheidung kaum eine tragende Rolle spielt. Ich bemerke es hier und da, aber eine Auswirkung hat es nicht. Da ich mich dazu entschieden habe, bin ich frei von Hunger, frei von Ritualen rund ums Essen, frei von Entscheidungen, die sich ums Essen drehen. Es ist wirklich befreiend sich derart auszuklinken. Und es geht. Selbst in der Adventszeit.

Ein paar unerfreuliche Nebenwirkungen hatte ich aber noch erwartet. Erstens riecht man bekanntlich nicht gerade wie die zarte Sommerbrise aus dem Mund, wenn man nichts isst. Diesen Umstand kann man aber mit mehr Mundhygiene, ordentlich Ingwerwasser und Zungenreinigung abmildern. Außerdem hatte ich noch nachlassende Libido erwartet, was ich aber seit gestern doch mit Nachdruck verneinen muss : ). Allerdings fröstelt es mich zunehmend, nicht gerade so ideal bei den arktischen Temperaturen.

Aber, die Früchte des Ganzen ernte ich schon heute. Denke aber, auch wenn ich nicht zuviel erwarten sollte, weil Erwartungen nicht erfüllt werden, dass ich eine noch schönere Reinigung erfahren werde. Denn das ist Fasten. Eine Reinigung. Und noch dazu eine Spürbare. Es fühlt sich an, als würde ich mich innerlich waschen. Negativität verabschiedet sich, Wut nimmt ab, die Sinne sind geschärft. Das wird zwar etwas anstrengend wegen der Gerüche werden, es fühlt sich dann an, als wenn man durch dicke Geruchswände geht, aber sonst sind die Resultate des Heilfastens wirklich spannend, befreiend und bewusstseinserweiternd. Ich glaube, dass die Reinigung, die sich vollzieht, noch lange oder sogar dauerhaft spürbar sein wird. Mal schauen. Auf jeden Fall bin ich gespannt!