Was ist Krankheit? Ein objektivierbares Faktum, ein gebündeltes Symptompaket, dem man eigentlich nur mit Hilfe der Schulmedizin wirksam zu Leibe gerückt werden kann? Sind Krankheiten eine Abweichung von Gesundheit, die man, sogleich erkannt, zerstören muss, um wieder Gesundheit herzustellen? Oder könnte die Krankheit gar eine Aufgabe haben? Sollten wir vielleicht diese Aufgabe erkennen, sie anschließend lösen und so die Krankheit beseitigen?
Diese letzte, für das Fernsehen geradezu revolutionäre Aussage, hörte ich hocherfreut in der Talk-Show von Sarah Maischberger. Man diskutierte zu dem Thema „Kann der Geist heilen?“ und ich war positiv überrascht und ein wenig verwundert, was für eine Zusammensetzung der Plausch hatte. Mit Eckardt von Hirschhausen, dessen Arbeit und Motivation ich sehr schätze, dem Hypnotherapeuten Dr. Gunther Schmidt und einer Krebspatientin, die unter anderem Geistheilung in Anspruch nimmt, kamen schon mal drei Gäste zu Wort, die aufgeschlossen und offen gegenüber Therapiemethoden jenseits der Schul-Medizin waren. Holla. Aber damit nicht genug. Nur ein Schulmediziner, und der konnte dem Zuschauer fast schon ein wenig leid tun, trat als Verfechter von Materialismus, Chemotherapie und Doppel-Blind-Studien auf und warnte eindringlich vor abzockenden Scharlatanen, die es zweifellos auch gibt, was aber trotzdem kein Argument für Pharmakologie ist, die bekanntlich nicht minder abzockend und zumindest diskussionswürdig ist.
Der Hypno-Therapeut sprach bereits von der Erweckung eigener Fähigkeiten, die immer DA sind und mit deren Hilfe man in der Lage wäre, sich selbst zu heilen. Ebenso sprachen schon die ersten Gäste von inneren Scheinwerfern, die wir justieren können, um z.B. Schmerz anders zu bewerten und sie gingen bereits ein wenig der Frage nach, was die verborgene Kraft sein könnte, die beim Plazebo-Effekt zu Tage tritt und die uns ohne einen Wirkstoff zu heilen versteht.
Die Themenlage konnte man also für öffentlich-rechtliches Fernsehen schon als progressiv bezeichnen. Und das sogar bevor das eigentlich Revolutionäre zur Sprache kam und das unter anderem in Person von Clemens Kuby, der mir vorher nicht bekannt war. Kuby erlebte in seinem Leben eine sogenannte Spontanheilung. Als solche wird in der Schulmedizin bezeichnet, wenn Patienten ohne Heilungschance auf diese vermeintliche Tatsache pfeifen und sich einfach so, ohne Einwirkung der Medizin, selbst heilen. Kuby wurde Zeuge einer höchst unstrittigen Selbstheilung nach einem Querschnitt, den er durch einen Unfall erlitt. Nach einem Jahr intensiver „Zwangsmeditation“, wie er es nannte, spazierte er aus der Klinik, die normalerweise nur rollend verlassen wird. Aber in einem von 20000 Fällen würde es zufällig zu solch merkwürdigen Vorkommnisse wie bei ihm kommen, er habe einfach Glück gehabt, sagten die Ärzte der Klinik. Damit wollte sich Kuby nicht zufrieden geben. „Was ist Glück? Wie tritt es ein und wie kann ich es steuern?“, fragte er sich. Berechtigte Fragen, wie ich finde. Und Kuby konnte darauf Antworten finden. Er ist zu dem Schluss gekommen, und das sorgte in der Runde nicht gerade für Begeisterungsstürme, dass JEDER in der Lage ist, sich mit Hilfe von Erkenntnis und Informationen zu heilen. Ich finde dabei das Wort Information hübsch, denn es geht etwas in die Form, verändert die Form. Was in die Form geht, ist Bewusstsein. Das Bewusstsein, das entsteht, wenn die Aufgabe der Krankheit erkannt ist.
Das klingt natürlich zynisch und selbstgerecht für Jemanden, der einen Angehörigen, Partner oder Freund durch eine Krankheit verloren hat und erst recht für schwerkranke Menschen, die sich neben dem Schicksalsschlag auch noch als Loser fühlen müssen, wenn jede Krankheit eigentlich aus sich heraus heilbar wäre. Aber wenn es so wäre, dass wir alle die Möglichkeiten in uns tragen, uns selbst zu heilen, sollte man dann aus Rücksicht auf Gefühle diese Informationen vorenthalten? Die Forschung über Selbstheilung steckt schließlich noch in den Kinderschuhen. Wenn man auch nur einen winzigen Bruchteil der pharmakologischen Forschung auf diesen Forschungszweig verwenden würde, wäre doch schon viel geholfen. Und dass dieser Doppel-Blind-Kram immer als absolute Erkenntnis begriffen wird. Der sagt doch nur aus, dass bestimmte Mittel wirkungsvoller oder auch nur schneller Symptome beseitigen, als die Selbstheilung. Vielleicht sind ja manche Symptome auch erforderlich für den Heilungsprozess und sollten gar nicht beseitigt werden. Und warum sind alle bloß immer so scharf drauf, zu objektivieren, allen das gleiche Rasta überzustülpen, wenn doch jeder völlig verschieden ist, aus unterschiedlichen Gründen die Krankheit bekam und diese auch noch völlig unterschiedlich verläuft?
Niemand hat Schuld an seiner Krankheit im Sinne einer Strafe, aber er ist doch verantwortlich dafür. Wer sonst? Die Krankheit? Der Zufall? Wohl kaum. So sah es auch die indianische Schamanin Christa Yellowtail, die wie Kuby einen schweren Unfall erlitten hat, dessen schwerwiegende Folgeerscheinungen sie mit Hilfe von zugegebenermaßen fragwürdigen und rüden indianischen Methoden geheilt hat, wie 3 Stunden angebunden in eiskalter Flussströmung zu treiben. Was nicht alles die geheimnisvollen Selbstheilungskräfte aktivieren kann… Aber meine Methode wär´s dann doch nicht.
Yellowtail beschrieb Unfälle als Umbruchsituation, die einem zufällt. Und das nicht willkürlich, sondern aus vielen miteinander verzahnten Gründen. Zielgerichtet. Anschließend sei es Aufgabe, Gründe herauszufinden, wie es zu dem jeweils individuellen Unfall oder der Krankheit kommen. Nach Gründen und dem Sinn fragen wir ja meist dann, wenn wir nichts mehr zu verlieren haben. Wenn wir ganz unten sind. Also, dank dir Krankheit, dank dir Ard und Maischberger für die Sendung, mit deren Hilfe wieder neue Informationen in die Materie gelangt sind, neue Synapsen bei vielen Fernsehzuschauern gebildet wurden. Synapsen, die erforderlich sind, um den kommenden Quantensprung vorzubereiten. Jippieh!




