Kritik ist nicht immer angenehm. Zumindest nicht in dem Moment, wo sie geäußert wird. Wenn wir sie allerdings nicht als persönlichen Angriff, sondern als eine Rückmeldung wahrnehmen, die uns weiterbringen kann, ist sie unerlässlich für unseren Weg. Wo die Selbstreflexion nicht ausreicht, kommen wir nicht umhin, aufmerksam zuzuhören und uns sagen zu lassen, dass wir möglicherweise auf dem Holzweg sind.

Eine solche, glücklicherweise konstruktive Kritik habe ich mir kürzlich anhören dürfen. Ein sehr guter Freund von mir nahm Stellung zu meinem Artikel über Ungereimtheiten der Evolutionstheorie. Sein Problem bestand darin, dass er es höchst ärgerlich fand, dass ich mit Sarkasmus und Polemik mal eben 200 Jahre wissenschaftliche Forschung wegwischen und lächerlich machen würde. Ich würde mich so unglaubwürdig und angreifbar machen. Ich würde die Leser, die dieser Theorie Glauben schenken, einfach nur verletzen und sie durch den verursachten Ärger für meine Argumente gar nicht mehr zugänglich machen.

Seine Kritik war in sofern so hilf- und lehrreich für mich, als dass sie differenziert war. Er sagte, dass er vieles von dem, was ich schreibe und denke, schön und wichtig fände, dass ich mir das alles aber in wenigen Sätzen kaputt machen würde, wenn ich einfach wie ein Bulldozer selbstgefällig über alles rüberdonnern würde, worüber so viele Menschen forschen und woran sie schließlich glauben würden.

Ähnlich verhält es sich mit meinem Posting zur äußerlichen Ähnlichkeit von Osama und Obama. Viele, viele Menschen glauben an die positive Veränderung durch Obama und setzen ihre ganze Hoffnung darauf. Sie wollen eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt, was ja wirklich eine sehr schöne Entwicklung darstellt. Gerade in den USA. Außerdem zeugt es doch von ungeahnter Toleranz, dass die Bürger der USA einen Afro-Amerikaner ins höchste Amt hieven. Diese Wahl zeigt das innere Bedürfnis nach Frieden, zeigt doch eigentlich das Gute im Menschen. Und was mach ich? Ich knall meinen Lesern einen Film vor den Latz, den ich bei youtube gefunden habe, und der die Vermutung aufstellt, dass dieser Hoffnungsträger in Wirklichkeit der größte Terrorist der Erde ist. Was denke ich mir wohl, was ich damit auslöse? Tja, ich löse aus, dass selbst ein enger und langjähriger Freund sich für mich schämt. Ich löse aus, dass all diejenigen, die mit Obama Hoffnung verbinden, entsetzt und fassungslos sind und auf mich und meine Ideen keinen Pfennig mehr setzen.

Ich hatte die irrige Annahme, dass ich mit Hilfe von Ironie und Sarkasmus all die gängigen Ansichten, die ich als fatale Irrtümer wahrnehme, unterhaltsam ad absurdum führen kann. Aber das funktioniert nur, wenn sich bereits in dem Leser die gleiche Meinung Bahn bricht wie bei mir. Meine Frau, die als Ärztin arbeitet, ist verständlicherweise genervt und verletzt, wenn ich sämtliche Errungenschaften der Schulmedizin, ohne Kenntnisse der Materie, als Irrtum vom Tisch wische. Ein anderer langjähriger Freund, der sehr viel Wert auf eine differenzierte Meinungsbildung mit Hilfe von Zeitungen wie der Süddeutschen und Zeitschriften wie dem Spiegel legt, ist selbstverständlich aufgebracht, wenn ich ihm süffisant mitteile, dass das doch alles gleichgeschaltete Propaganda sei. Durch solche Äußerungen, auch wenn ich sie im Kern richtig finde, richte ich an, dass all das, was an meinen Ideen und Ansichten vielleicht inspirierend empfunden werden könnte, unter dem Ärger über wenige Sätze begraben wird. Ich richte an, dass ich aufgrund mangelnder Fachkenntnis und kompletter Undifferenziertheit unglaubwürdig werde.

Was kann ich jetzt aus dieser Kritik ziehen? Ich ziehe auf jeden Fall daraus, dass ich nicht genau so weitermache wie bisher. Wenn ich über Themen schreibe, die das, woran andere glauben, verletzen könnte, muss ich viel behutsamer vorgehen. Ich sollte die Sicht auf die Errungenschaften der Wissenschaft erweitern, anstatt nur alles platt machen zu wollen. Es ist weder alles falsch, was in den Medien geschrieben wird, noch ist alles schlecht, was die Wahl von Obama betrifft, noch ist alles schädlich, was die Schulmedizin macht. Aus jedem Irrtum kann man lernen, kann man Versatzstücke und Teile in etwas Neues integrieren. Teile der Schulmedizin können in eine ganzheitliche Sicht integriert werden, die Evolutionstheorie kann durch eine geistige Dimension erweitert werden, die Euphorie der Obama-Wahl kann als positives Zeichen gewertet werden, während aber genau geschaut wird, was er tut und nicht nur mit wie viel Charme er etwas sagt.

Kritiklosigkeit bedeutet nicht selten Stillstand. Also, immer her damit, positiv wie negativ, denn so kann ich lernen und mich, meine Ideen und Ansichten weiterentwickeln. Und das in einer Art und Weise, die für andere hoffentlich angenehm ist. Wenn wir offen sind für die Ansichten anderer, können wir lernen, uns in andere hineinzuversetzen. Nur so können wir Andersdenkende wirklich respektieren. Nur so können wir Mitgefühl entwickeln. Und Mitgefühl brauchen wir wirklich dringend.