Globalisierung wird von Vielen als eine Art Naturphänomen betrachtet. Wenn wir definieren, dass Globalisierung bedeutet, dass die Welt zusammenwächst, gebe ich dieser Annahme Recht. Aber wenn die Ausbeutung der ärmsten Länder, die Macht von Weltbank und IWF, ausufernde Finanzmärkte und verbrecherische multinationale Konzerne als globale, nicht aufzuhaltende Naturphänomene bezeichnet werden, lege ich doch mein Veto ein.
Zum diesem Schluss kommt auch der Dokumentarfilm “Let´s Make Money”, den ich mir angesehen habe, ohne damit zu rechnen, neue Erkenntnisse zu erhalten. Denn als wirklich progressiv hatte ich den Film nicht angesehen. Aber auch wenn die wahren Urheber des Globalisierungsirrsinns nicht genannt wurden, so wurde dennoch Tacheles geredet.
So macht die Doku deutlich, dass die Globalisierung in seiner heutigen Form von langer Hand geplant war. Sie sei von wirtschaftsliberalen Denkern erdacht und umgesetzt worden. An oberster Stelle stünden Weltbank und IWF, die keine öffentlichen Institutionen darstellen und die sich unter Kontrolle der USA befinden würden. Vier Punkte seien erfüllt worden, um die Welt unter die Kontrolle von Weltbank, IWF und multinationalen Konzernen zu bringen.
Als erstes gab man den Finanzmärkten völlig freie Hand für aberwitzigste Spekulationen und einen freien Geldfluss. Also auch einen Fluss in Steueroasen und zurück, damit man nicht mehr verfolgen kann, wer da überhaupt gerade am spekulieren ist. Anschließend wurden sämtliche unerwünschten Handelsbarrieren eingerissen, die über Jahrzehnte mühsam errichtet wurden, um heimische Industrien zu schützen. Hübsch ausgedrückt nennt sich dieser Skandal „Liberalisierung der Handelsströme“. Der Staat mit seinem lästigen Eingemische wurde fast vollständig ausgeschaltet. Außerdem wurden die Steuereinnahmen verringert, damit der Staat gar nicht erst in die Versuchung kommen konnte, sich in dieses Gebaren einzuschalten. Und schlussendlich enteignete man Stück für Stück die Gemeinschaften, indem man mal schön den Gemeinschaftsbesitz privatisiert, also das Vermögen der Gesellschaft unter dem eigentlichen Wert an irgendwelche Investoren verhökert und so die Gesellschaft de facto enteignet. Der Neo-Liberalismus war geboren. Oder anders gesagt, das Monster war erwacht!
Besonders spannend und erhellend fand ich an dem Film, was John Perkins, Ex-Geheimdienstler und sogenannter “Economic Hitman”, von seiner ehemaligen Arbeit zu berichten wusste. Sein Job war es, Entwicklungsländern mit frisierten Daten über ihren baldigen wirtschaftlichen Aufstieg zu beglücken, um ihnen daraufhin gigantische Kredite unterzujubeln. Als aufstrebende Macht bräuchten sie schließlich Staudämme, Straßen und Flughäfen. Wer nicht sofort einwilligte, tat dies meist nach großzügiger Spende. Bei den Krediten, die oft als Entwicklingshilfe getarnt waren, war klar, dass das Land diesen niemals zurückzahlen könnte. Schließlich floss auch alles Geld in die amerikanischen Unternehmen, die die Infrastruktur bauten. Nur einige wenige Reiche des Landes profitierten, während die Bevölkerung wie immer leer ausging, aber selbstredend die Zeche zahlen muss. Da sie das aber dank Zinsen und Zinseszinsen niemals können würden, schlugen die Kreditgeber generös vor, dass sie in Naturalien bezahlt werden sollten - in Öl, Edelsteinen, Baumwolle und das schön billig oder auch in Form von Zustimmungen in der UNO oder in Kriegsunterstützung. Ekelhaft oder? Die Mafia macht es nicht anders, nur nicht in so großem Stil. Und in diesem Fall ist es noch nicht mal verboten. Von wem auch? Weltbank, UNO und IWF machen die Gesetze gemeinsam mit ihren Vasallen aus der Politik. Alles was in den Ländern sinnvoll wäre, also Ausgaben für Bildung, Kultur und Gesundheit, wird zurückgefahren, weil schließlich die Schulden zurückgezahlt werden müssen. Ist bei uns auch nicht großartig anders.

Nach diesem Muster entstand nach Perkins das Imperium USA. Selten sei es vorgekommen, dass Perkins nicht erfolgreich war und die Staaten sich einfach nicht massiv verschulden wollten, so geschehen in Panama und Ecuador. In so einem Fall würden die “Schakale” losgelassen. Diese sorgten dann für einen Umsturz des Regimes, für Attentate oder was ja in letzter Zeit sehr beliebt ist, für irgendwelche farbigen oder mit Blumennamen versehene Revolutionen. Sollten all diese Methoden nicht mehr greifen, wäre Krieg die letzte Option. So geschehen im Irak, wo Saddam Hussein sein Öl künftig in Euro abrechnen wolle, was zum Zusammenbruch des Dollars geführt hätte. Jetzt kann man sich fragen, was gerade im Iran oder in Honduras passiert.

Was auf der Welt passiert, und das wurde durch den Film deutlich, ist ein völlig verantwortungsloses, ethikfreies Abschöpfen von Gütern und Geld von ganz ganz vielen in ganz ganz wenige Hände. Die Methoden des Neo-Liberalismus gleichen den der Mafia. Diese Methoden gilt es zu erkennen und aufzudecken. Gut, dass das Ganze sowieso bald zusammenbrechen und für das Wunderbarste Platz machen wird, das die Welt je gesehen hat. Das wird schön! I freu mi!