WOW, WOW, WOW!!! Dat war wat, gestern! Ich habe eine Erfahrung gemacht, die wahrhaftig transformierend war und ist. Hab ich ja schon häufiger erzählt und dann bin ich doch wieder in alte Muster gefallen. Ich weiß auch gar nicht, ob ich jetzt täglich diese enorme Erfahrung im HERZEN tragen werde oder ob sie meinen Alltag wirklich nachhaltig verändern wird. Aber JETZT in diesem Moment, bin ich überwältigt und davon überzeugt, dass mein Weg, mein Fluss mich goldrichtig führt. Egal wie es von außen scheinen mag.

Ach, ich hab Dir ja noch gar nicht erzählt, was ich gestern überhaupt Grandioses erleben durfte. Dazu hole ich mal ein wenig aus: Vor einigen Jahren begann ich eine Logopädie-Therapie gegen meinen Sprachfehler, den ich seit über 30 Jahren mit mir rumschleppte. Angeschlossen war eine Stimmtherapie, auf die ich gar nicht gekommen wäre, wenn ich nicht von dem Lehrer an der Schule, wo ich Proband für angehende LogopädInnen war, gefragt worden wäre. Und dort, in diesen Therapiestunden, tönte ich. Das heißt, ich tönte Vokale. So lange und so stabil, wie es mir möglich war. Am Anfang war es mir weitgehend unmöglich. Es knarrte, brach ab, war mühevoll. Aber irgendwann merkte ich, dass der Ton sich selbst nähren kann. Es wird dann mühelos und wirklich erhebend, wenn der Ton ein regelrechtes Eigenleben entwickelt und ich lediglich der Kanal bin.

Dann sah ich den Film “Wie im Himmel”, der bei mir die größte Empfindung von allen Filmen ausgelöst hat, die ich je gesehen habe. Und es waren viele. Das Kernthema dieses herrlichen schwedischen Streifens ist Klang. Der Klang, der DA ist und von uns auf die Erde geholt wird. Jeder hat seinen Klang, er transformiert, in ihm ist alles richtig.

Ich ging in die Philharmonie und war völlig geflasht, als dort ein 100 Mensch starker Chor sang. Ich begann leidenschaftlich gern Karaoke zu singen und bin immer dann besonders glücklich, wenn jeder im Raum aus vollem HERZEN mitsingt. Klang verbindet, schließt niemanden aus, nimmt jeden auf, schafft Gemeinsamkeit, Frieden, Glück, ALLES!

Dann tauchte ein Lied in meinem Geist auf. Ich dachte Melodien, feilte am Text, den ich morgens um zwei in ein geschenktes Notizbuch schrieb. Nie hatte ich ein Instrument gespielt und meine Stimme fiel auch nie durch eine angenehme Klangfarbe auf. Aber dieses Lied war toll. Echt jetzt. Finde ich zumindest. Es muss nur gut gesungen sein. Aber von wem? Nachdem ich mir bereits ausgedacht hatte, wem ich das Lied schenken würde, sagte mein engster Freund hier in Berlin halb aus Scherz und halb aus Überzeugung, von der er vielleicht gar nichts wusste: “Du musst das singen!” Aber meine Stimme, dachte ich, ist doch scheiße. Wie soll ich das anstellen, ohne mich vollständig zum Horst zu machen? Tja, muss ich wohl an die Stimme ran.

Und gestern, die Vorgeschichte war jetzt aber echt strapazierend lang, war ich bei einer Gruppe von Miroslav Grosser, einem Stimm- und Klangcoach. Einer Gruppe die einfach frei tönt, frei singt, groovt, trommelt - was immer man Bock hat. Ohne Bewertung, ohne Verstand, einfach tun. Es begann sitzend aus der Stille. Mit geschlossenen Augen kamen erste Töne. Wurden aufgegriffen, veränderten sich, erfüllten den Raum. Rhythmen kamen dazu, ich stieg ein. Tönte Vokale, tönte die Bassline, gab mich vollständig dem Klangerlebnis hin. Stand auf, ging herum, groovte, während ich staunte, was sich da alles den Weg aus meinem Körper bahnte. Während ich zu Beginn Klangteppiche erzeugte, kamen Bewegungen dazu, funky Stücke wechselten sich mit indianerartigen Gesängen ab, um schließlich im Klangcrescendo aufzugehen. Für sich sein wechselte mit der Verschmelzung aller, geben mit nehmen, andächtiges Lauschen mit für mich sehr überraschenden obertonartigen Klängen, von denen ich nicht im Geringsten vermutet habe, dass sie irgendwo in mir wohnen könnten. Wenn ich mit einem Wort beschreiben sollte, wie und was es war, würde ich dieses wählen: ALLES! ALLES war richtig. Selbst als jeder für sich war, war es harmonisch, keiner war der Dirigent, jeder konnte sein, wie er wollte, war Teil des Ganzen, frei von Wertung, individuell und gemeinsam. Einfach überwältigend! Die Welt wäre eine ganz andere, wenn jeder mal diese Erfahrung machen würde. Und es ist unglaublich einfach. Einfach tönen und den Klang machen lassen, worauf er gerade Bock hat.

Ich bin mir sicher, dass diese Erfahrung mich begleiten wird. Dass diese Erfahrung weitere Inspirationen auslösen wird. Dass ich meine Stimme finden werde, die schließlich mein Lied singt. Hihihi…