Mein Name ist Gerald und ich war fleischsüchtig. So, jetzt ist es raus. Eine Mahlzeit ohne Fleisch war für mich ein Trauerspiel. Morgens legte ich mir Wurst aufs Toast, mittags gabs Kotelett, abends wieder ordentlich Schinken auf die Stulle. Ein riesiger Berg Thüringer Mett löste bei mir Entzücken aus. Stundenlang konnte ich über die Vorzüge und die feinen Unterschiede von McDonalds und Burger King diskutieren. Und ein besonders dunkles Kapitel meiner Fleischsucht erspare ich Dir auch nicht: Als ich einen Beitrag im Fernsehen über scheußliche Tiertransporte sah, bekam ich unbändige Lust, Schweinske einen Besuch abzustatten, einer Fastfood-Kette, die Schweinefleisch in jeder nur erdenklichen Form anbietet. Bitter, aber wahr.
Gemüse war für mich ein notwendiges Übel. Eine ungeliebte Beilage. Ich hätte meine gesamte Ernährung ausschließlich mit Fleisch bestreiten können. Es wäre mir recht gewesen. Aber dann kam ja mein Erweckungserlebnis. Die Erkenntnis, dass alles mit allem verbunden ist. Die Erkenntnis, dass ich mit allem verbunden bin. So auch mit den Tieren, die meinetwegen geschlachtet werden. Die überhaupt nur leben, um gegessen zu werden. Und das in überwiegend üblen Verhältnissen.
Diese Argumente konnte ich lange Zeit, auch nach diesen Erkenntnissen, vorzüglich verdrängen. Immer wieder flammte zwar mal schlechtes Gewissen auf, wenn ich an Tierschutzständen vorbeischlenderte. Aber das Fleisch war nun mal ein Teil von mir. Ein Leben ohne Fleisch? Undenkbar!
Über die nächsten Jahre stellte ich jedoch fest, dass Gemüse nicht nur ein trauriges Dasein als totgekochte, fade Beilage fristen muss. Ich lernte zu kochen. Setzte Kräuter ein, kombinierte, ließ immer mal Fleisch weg und stellte fest, dass es mir nicht fehlte. Das Gemüse hatte darüber hinaus den Vorteil, dass ich keine bösen Überraschungen erlebte: Kein Beißen auf Knorpel, kein Fett, keine Knochen, kein müffelnder Geschmack. Das Gemüse war knackig und frisch. Und vielschichtig. Mein Geschmacksempfinden änderte sich. Ich entdeckte Sellerie, Fenchel, Rote Beete. Knollen, vor denen ich noch vor einiger Zeit schreiend davongelaufen wäre. Aber so wie man alles verändern kann, wenn man es möchte, kann man auch seinen Geschmack umstellen. Und schließlich, als ich ein ganz köstliches Ratatouille mit einer ganz scheußlich müffelnden Roulade gemacht hatte, sagte ich mir, schluss, das wars, kein Fleisch mehr.
Vorher hatte ich bereits viel über Fleisch gelesen. Wusste ja eigentlich immer, dass es nicht gut ist, aber dieser Japp auf Fleisch kam mir nun mal dazwischen. Auf feinstofflicher Ebene ist es so, dass man die Qualen und die Todesangst der Tiere mit aufnimmt, während man sie vertilgt. Unangenehme Vorstellung. Dies war für mich das entscheidende Argument, weil ich innerlich rein werden wollte, und das ging natürlich nicht, wenn ich mich immer wieder von neuem im Dreck suhlte. Ich fühlte mich sehr wohl mit meiner Entscheidung. Habe es nie bereut. Wenn ich Lust auf Fleisch hätte, würde ich es essen. MARIA hat mal gesagt, dass der Verzicht schädlicher ist, als dem Impuls mit FREUDE nachzugehen. Wenn Du also Fleisch essen möchtest, dann tue es! Ich halte es nur für besser, es nicht zu tun.
- Tiere sind unsere Begleiter, wir sollten sie ehren, anstatt sie zu quälen und zu schlachten - wie jedes Jahr weltweit etwa 22 Milliarden mal, Fische nicht eingerechnet
- Weltweit wird mehr als ein drittel der gesamten Getreideernte an Vieh verfüttert
- Ein einziges Steak von 225 Gramm enthält so viel Pflanzenenergie, wie benötigt wird, um einen Tag lang rund 40 hungernde Menschen zu ernähren
- Fleisch wird mit Milliarden subventioniert, allein für Rinder gibt die EU jedes Jahr über 2,5 Milliarden Euro aus
- Seuchen wie BSE würden ohne Fleischkonsum der Vergangenheit angehören
Für den Fleischkonsum spricht eigentlich nur der Appetit - die Gier - auf Fleisch. Mehr nicht. Der gesundheitsfördernde Effekt von Fleisch ist aus der Welt. “Fleisch ist ein Stück Lebenskraft”, ein Slogan von gestern. Vegetarier haben durch ihre Ernährung keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Sie sind eher gesünder als Fleischesser. Dies stellen immer mehr Studien fest. Und wenn weniger Fleisch gegessen werden würde, ginge es auch der Welt erheblich besser. Es gäbe weniger Hunger, weniger Krankheit, weniger Kosten. Dafür weniger Spaß und Genuss werden einige sagen, aber das kann ich nicht bestätigen. Mit der nötigen inneren Überzeugung sind Spaß und Genuss beim Vegetarier genauso groß wie bei Fleischessern. In Großstädten wie Berlin lebt es sich natürlich als Vegetarier auch besser als z.B. im tiefsten Bayern, wo man sich meistens mit trockenen Kartoffeln und Beilage begnügen müsste. In Spanien konnte ich mich auch am Hotel-Buffet jeden Abend lediglich entscheiden, ob ich den Salat mit oder ohne Pommes essen würde.
Trotdem, ich bin auf jeden Fall außerordentlich gern Vegetarier - ich muss mich nicht moralisch winden, bin an keinem Schlachten und keiner Quälerei mitbeteiligt, leiste einen kleinen Beitrag für eine gesündere Welt, fühle mich gesünder, bin schlanker und fitter. Und wenn ich als ehemaliger disziplinloser Fleischjunkie das geschafft habe, dann schafft das wirklich jeder!




